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Pfadfinder

Königsmacher für den Geschmack: Salz oder Gewürze?

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LV Hessen-Schau

Wir sind die Redaktion der LV Hessen-Schau,
der Landeszeitschrift des LV Hessen.

Früher war Salz ein besonders wertvolles Gut, auch wenn wir uns das bei den heutigen Preisen im Supermarkt nicht mehr vorstellen können. Die Römer versuchten bereits aus dem Mittelmeer Salz zu gewinnen und Adlige im Mittelalter verdienten mit Salz viel Geld, in dem sie hohe Steuern darauf legten. Im Alten Rom wurde der Lohn der Soldaten teilweise in Salz ausbezahlt. Heute bekommt man im Supermarkt Salz aus verschiedenen Gewinnungsmethoden, z.B. Salz aus dem Meer oder Salz aus dem Bergbau. Von den Unterschieden in der Produktion habt ihr gewiss ein Bild vor Augen. Salz ist inzwischen so günstig, dass wir es ohne schlechtes Gewissen in hohen Konzentrationen verwenden können.

Aber welche Auswirkungen hat der Salzkonsum auf unser Kochen?

Der jährliche Salzkonsum pro Person in Deutschland liegt zwischen 3 und 3,5kg. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt gerade mal 2,1kg, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sogar nur 1,78kg. Das entspricht einer Tagesdosis von 5 Gramm.

Durch Salz intensiviert sich der Geschmack der Zutaten und schmeckt für die meisten von uns besser, dass hängt natürlich von der eigenen Wahrnehmung und dem sonstigen eigenen Salzverbrauch ab. Salz gibt zumindest für mich schon mal einen Grundgeschmack. Mein Geschmacksempfinden sagt mir aber auch, dass nur durch Salz im Essen das Essen noch lange nicht gut schmeckt. Erst Kräuter und Gewürze verfeinern ein Essen, sodass es zu einem ganz besonderem wird. Salz ist kein Gewürz, sondern ein Mineral. Gewürze bestehen streng genommen nur aus Blüten, Früchten, Knospen, Samen, Rinden, Wurzeln und Zwiebeln. Insofern beginnt hier von der Bezeichnung her ein neues Kapitel.

Werdet Jäger der verlorenen Gewürze!

Die Geschmackswelt der Kräuter und Gewürze ist riesengroß und bietet unendlich viele Variationsmöglichkeiten. Einige Gewürze kennt ihr sicher aus häufigen Gebrauch. Ihr wisst, wie Zimt schmeckt, dass Kräuter der Provence nie fehlen dürfen und das Curry und Reis eine tolle Mischung sein können. Diese oberflächlichen Kenntnisse hat gewiss jeder von uns, der schon mal selber gekocht hat oder aufmerksam der Sippenführung dabei zugeschaut hat.

Ich möchte euch an dieser Stelle nicht mit einer Tabelle langweilen, auf der Gewürze aufgelistet sind, die jeder oder niemand kennt, und auch nicht, welche Kombinationsmöglichkeiten meinem Geschmack zu 100 Prozent zusagen. Ich möchte auch nicht die Herkunft und Geschichte vom indischen Curry erzählen und euch erklären, wie dieses Gewürz unsere heutige Küche vielfältig bereichert hat. Ich möchte euch dazu ermutigen, euch jetzt vor euer Gewürzregal zu stellen und mal vorsichtig von allen Döschen zu probieren und vielleicht mal das verschmähte Gewürz aus der staubigen Küchenkiste doch mit auf Fahrt zu nehmen und zu testen. Werdet Entdecker eurer eigenen Geschmacksknospen! Tabellen, die euch Orientierung geben, findet ihr im Internet genügend. Denkt nicht nur an das Salz im Nudelwasser, sondern auch an den Zimt im Hackfleisch eurer Bolognese!

Mehr als eine Zutat im Abendessen

Für mich ist Salz allerdings auch ein Symbol für etwas anderes. Salz ist eine Geschmacksgrundlage, aber es gibt Unterschiede in der Konzentration und Herkunft. Das Meersalz (Meer symbolisiert für mich auch die Ferne, die wir auf jeder Fahrt entdecken) ist für mich das Pfadfinderversprechen im BdP an sich: ich hätte es auch bei jedem anderen Pfadfinderverband abgeben können. Ich wurde zwar durch den BdP sozialisiert, aber es ist meine Entscheidung, immer noch Teil davon zu sein. Das Pfadfinderversprechen also eine Art Geschmacksgrundlage, denn das, was wir an Aktivitäten anbieten, die Zutaten, überschneiden sich mit den Angeboten (z.B. Sommerfreizeit) von kommerziellen Anbietern und anderen Jugendvereinen. Die Menschen, die unsere Gruppe und Gemeinschaft ausmachen, sind die Kräuter und Gewürze in einem gelungenen Essen.

Gemeinschaft À la carte

Zu uns finden viele verschiedene Menschen ihren Weg und erweitern unsere Gemeinschaft und oft auch unseren eigenen Horizont. Es gibt viele Geschmacksrichtungen bei uns und ebenso viel neu zu entdecken. Jeder Mensch ist einzigartig und wird Menschen im BdP finden, mit denen er_sie in der Gruppe zu einer Delikatesse wird. Wir ticken nicht alle gleich und nur weil ich zehn Menschen kenne, kann ich nicht sagen alle sind „blöd“. Die Vielfalt an Menschen kann ich nicht sofort durchdringen, denn wenn „Geschmacksverirrungen“ bereits bei der allerersten Begegnung auftreten, kann es passieren, dass man in unserem Kreis keinen Platz findet. Es ist wie mit Gewürzen: schmeckt es einmal nicht, probiert man es selten wieder. Geschmäcker können sich auch verändern, dann bräuchten wir eine „Geschmackserfrischung“ und sind wieder auf der Suche nach der richtigen Gewürzmischung.

Wenn also die Zutaten die richtigen sind und auch die Salzkonzentration stimmt, dann sollten wir diejenigen sein, die gemeinsam anderen, neuen und uns selbst ein 5-Gänge-Menü (der Freundschaft) zaubern sollten. Probiert es aus!

Ein Beitrag von Jonathan (Stamm Graue Bären). Erstmals erschienen in der LV-Hessen-Schau 16/2.

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