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NEUE BRIEFE

Aufarbeitung des Umgangs mit sexualisierter Gewalt

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Das Projekt Echolot fordert uns heraus!

Unser Versprechen: Betroffene in den Mittelpunkt aller Überlegungen setzen!

„Lasst doch die alten Geschichten ruhen!“ – „Wem ist damit gedient?“

Es gibt einige Landes- und Bundesvorstände im BdP die wissen, dass es sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen im BdP gegeben hat und dass der Umgang damit über längere Zeit alles andere als angemessen und professionell war. Wir mussten als (ehemalige) Funktionsträger*innen entdecken, dass unser geliebter Bund, der vielen Raum bietet für Gemeinschaft und Abenteuer, auch Raum bot für sexualisierte Gewalt und Vertrauensmissbrauch. Der Pfadfinder-Traum vieler von uns war für einige ein Alptraum.

Zurück bleiben die Betroffenen, die unermessliches Leid erfahren haben, ihre Geschichten, ihre Realitäten bleiben im Verborgenen. Die Geschichte der Täter*innen – oft sehr aktive, charismatische Persönlichkeiten, die viel für den Bund bewegt haben – wird erzählt.

Uns ist durch unsere Arbeit im Projekt Echolot, das in den letzten vier Jahren fünf Bundesversammlungen beschäftigt hat, klar geworden, dass es nicht möglich ist, keine Stellung zu beziehen. Indem wir Taten nicht verurteilen, sondern aus Angst vor Rufschädigung schweigen, positionieren wir uns. Mit dem Projekt Echolot hat der BdP sich bewusst entschieden nicht dort zu verharren, sondern die Perspektive der Betroffenen, das Leid und die oft lebenslangen Folgen in den Blick zu nehmen, die mit sexualisierter Gewalt einhergehen.

Was passiert ist, können wir nicht ungeschehen machen. Aber: Wir beginnen mit der Aufarbeitung und entschuldigen uns für das Leid, was Betroffenen widerfahren ist und dafür, dass der BdP für die Betroffenen kein Schutzraum war. Wir möchten Mechanismen erkennen und benennen, die dazu geführt haben, dass Täter*innen Taten begehen konnten und Betroffene in unseren Reihen nicht ausreichend Hilfe und Schutz fanden. Wir sind uns sicher, dass das ein langer Prozess für den BdP wird und dass wir erst am Beginn sind.

Nun kann es endlich losgehen:

Das erste, das wir dafür tun wollen, ist es zu erfahren, wie das Ausmaß und die Verantwortung für geschehenes Unrecht zu bewerten sind – dazu dient die wissenschaftliche Aufarbeitung. Daher wird im Mai diesen Jahres ein öffentlicher Aufruf an Betroffene und Zeitzeugen das Thema „Sexualisierte Gewalt im BdP in den Jahren 1976 bis 2006“ in die Öffentlichkeit bringen. Wir wollen zumindest jetzt mehr richtig machen!

Manche mögen das leichtsinnig finden. Die große Mehrheit der Delegierten unserer Bundesversammlung hat sich für diesen – vielleicht mutigen – Weg entschieden und damit die Betroffenen (z.B. Betroffene von sexueller Gewalt und Ignoranz der Strukturen) in den Mittelpunkt des Interesses gesetzt.

Finanzen geklärt, Spenden weiterhin gewünscht, externes Interesse wächst

Der BdP hat sich entschieden die Finanzierung hauptsächlich aus Eigenmitteln zu bestreiten und legt die Kosten mit der Erhöhung des Mitgliedsbeitrags in den Jahren 2021 bis 2024 auch auf alle Mitglieder im BdP um. Die Entscheidung fiel schwer, erschien aber den meisten Beteiligten am Ende der beste Weg, da sich Stiftungen und andere Geldgeber*innen schwer taten unser Projekt zu fördern.

Die gute Nachricht schon jetzt: Zum Jahresende haben sich bereits mehrere hundert Mitglieder unseres Verbandes an einer Spendenaktion beteiligt und mit über 20.000 EUR den Grundstein für die Finanzierung gelegt. Die Stiftung Pfadfinden hat ihrerseits diese Spendensumme verdoppelt und wird auch weiterhin die Spenden verdoppeln, die in Zukunft für dieses Projekt eingehen. Jede Spende hilft, um die Beiträge für unsere Mitglieder weniger bzw. weniger lang zu erhöhen.

Auch bemerkenswert ist, dass immer mehr andere Jugendverbände, aber auch z.B. der Unabhängige Beauftragte für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs der Bundesregierung auf unser Projekt aufmerksam werden und uns zum Austausch zu Interviews und Treffen anfragen.

Wie geht es jetzt weiter:

Ab Mai 2021 werden die Wissenschaftler*innen des Instituts für Praxisforschung und Projektberatung (IPP) in München mit ihrer Arbeit beginnen. Es werden ausgewählte Archivbestände gesichtet, Interviews geführt und ein offener Aufruf gestartet. Wir gehen von einem guten Jahr wissenschaftlicher Arbeit aus, die kontinuierlich von unserem Beirat begleitet wird.

Nach Abschluss der Arbeit wird dem BdP die Gelegenheit gegeben mit den „Zwischen“-Ergebnissen umzugehen, bevor diese unabhängig veröffentlicht werden. Ziel dieser Zwischenphase (vermutlich gegen Ende 2022) soll es sein zu schauen, wie die innerverbandliche Entwicklung und Aufarbeitung aufgestellt sind und auch eine Sprachfähigkeit für den BdP und seine Funktionsträger*innen sicherzustellen, bevor die Ergebnisse veröffentlicht werden.

Besonders wichtig dabei: Betroffenenvertretung auch in der Steuerung unseres Projektes!

Bei uns können und sollen Betroffene nicht nur als Zeitzeug*innen gegenüber der wissenschaftlichen Begleitung durch das IPP zu Wort kommen, sondern, wenn gewünscht, auch aktiv den Prozess der Aufarbeitung begleiten. Der Bundesvorstand hat, bis sich Betroffene aus den Reihen des BdP für diese Rolle melden, als Stellvertretung die erfahrene Vertrauensperson Holger Specht in den Beirat des Projektes berufen. Bei Interesse stehen er, der Bundesvorstand sowie die Mitglieder des Arbeitskreises als Ansprechpartner*innen (auch anonym/diskret) zur Verfügung.

 Zur Person: Holger Specht

Holger Specht ist selbst Pfadfinder und lange Zeit im Leitungskreis des DPB (Deutscher Pfadfinder Bund) aktiv. Holger hat in seinem eigenen Verband die Aufarbeitung sexualisierter Gewalt angestoßen und setzt sich unter anderen im Projekt „Tabubruch“ für die offene Aussprache über sexuelle Gewalt im Kontext von Jugendarbeit /Bündischer Arbeit ein. Beruflich ist er als Mediator und Coach im Unternehmen „Inmedio“ tätig.

Holger Specht ist erreichbar unter specht@inmedio.de, der Bundesvorstand ist erreichbar unter vorstand@pfadfinden.de, der Arbeitskreis über ak-aufarbeitung@pfadfinden.de.

Du willst mehr über das Projekt Echolot erfahren z.B alle Arbeitskreis Mitglieder kennenlernen oder dich tiefer einlesen? Dann schau vorbei pfadfinden.de/kinderschutz/aufarbeitung/ oder meinbdp.de/display/BUND/Aufarbeitung+im+BdP 

„Handlungsleitend in der Prävention, der Intervention und der Aufarbeitung ist die Betroffenenperspektive. Im Subtext unseres Handelns sollten sie stets „hören“: Wenn ich mich hier entscheiden würde, mich zu melden, werde ich ernst genommen und meine dann aufgewendete Kraft hat konstruktive Folgen.“

 

Benjamin Holm (Benny)

Sprecher des AK Aufarbeitung/Projekt Echolot im BdP

Stamm Sankt Hubertus, Uelzen

LV Nds

 

Dr. Friederike Walter (Fredde)

AK Aufarbeitung, ehemalige Bundesvorsitzende

Stamm Burgund, Berlin

LV BBB

Foto: Paavo Blofield

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