NEUE BRIEFE

Der BdP ist SMART

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joschko
Stamm Pegasus, München
LV Bayern

Der BdP, wie er existiert, ist SMART[1] – spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch, terminiert. Seit ich 2008 auf dem Grundkurs war, hat mich keine Methode zur Zielüberprüfung so begleitet, wie SMART. Mittlerweile ist sie fast selbstverständlich geworden – zumindest bei den Pfadis. Beziehungsweise wird sie es spätestens, sobald der Grundkurs besucht wurde. Im Berufsleben kann man immer noch regelmäßig damit beeindrucken. Dies ist mal wieder ein Zeichen dafür, wie weit voraus wir bei den Pfadis sind.

Vor allem die Bestandteile „messbar“, „realistisch“ und „terminiert“ finden quasi alltäglich Anwendung, sofern etwas Neues angedacht wird.

Ab und zu poppen auch andere Begriffe auf wie Wirkungsziele, Outputs, Outcome oder Impact. Welche Wirkung soll später erreicht werden – eventuell deutlich nach dem eigentlichen Projektabschluss? Bei der Zielgruppe (Outcome) oder auf gesellschaftlicher Ebene (Impact). Die Outputs (tatsächliche SMARTe Ziele) wirken daneben etwas nebensächlich und lediglich als Mittel zum Zweck. Vereint werden diese Begriffe unter dem Wörtchen Wirkungsziele – für mich geprägt nach dem Kursbuch „Wirkung“ vom PHINEO-Verlag.

Nachteil an den Wirkungszielen ist die Komplexität und der Aufwand, die damit einhergehen, wenn man sie sich setzen will. SMARTe Ziele lassen sich sehr einfach überprüfen.

Warum gehen jedoch so viele SMARTe Projekte schief, finden nicht statt oder werden abgebrochen? Sind sie etwa nicht attraktiv genug? Waren sie doch nicht ausreichend spezifisch oder realistisch?

Um es all den Verfechtern von SMART gleich vorweg zu nehmen: Ich bin selber ein großer Fan von der Methode SMART und werde es bis auf weiteres auch immer bleiben. Sie ist einfach zu gut, schnell anwendbar und in ihren Grenzen recht erfolgreich.

Was aber ist mit den Anliegen/Projekten, die sich in kein SMARTes Ziel/Projekt integrieren lassen?

SMART ist logisch. Logische, lineare Fragen sollen vorab die Erfolgschancen des Ziels überprüfbar machen. Dies passt wunderbar zu unserer logisch und institutionell aufgezogenen Gesellschaft. Alles ist objektiv, auch der Journalismus – abgesehen von „Fake News“.

Menschen sind jedoch nicht nur logisch. Sie sind vor allem emotional. Erwachsene dann eigentlich nicht mehr. Wir sollten bei der Sache bleiben. So lautet das Wunschdenken. Schon komisch, dass all die Vorsätze im neuen Jahr nicht funktionieren, die logisch immer gut und sicher sinnvoll sind. Eingeknickt wird dann dennoch oft – wenn und weil der emotionale Teil der eigenen Person nicht mitgenommen wird.

Einen spannenden neuen Weg (zumindest für mich) geht das Zürcher Ressourcen Modell (ZRM)[2], das mit Mottozielen arbeitet. Hierbei wird in erster Linie erst einmal geprüft, was die Menschen bewegt und wo sie hin wollen – vor allem von der emotionalen Ebene her kommend.

Zunächst wird das Thema geklärt, das eine*n gerade beschäftigt. Ressourcenorientiert und zukunftsgerichtet wird mit der punktuellen Unterstützung anderer an den eigenen Motiven gearbeitet. Hieraus ergibt sich später ein Mottoziel, das (als Annäherungsziel) positiv formuliert ist, 100% unter der eigenen Kontrolle steht und innerlich nur gute Reaktionen auslöst. Gearbeitet wird dabei mit sogenannten somatischen Markern, die es uns mit etwas Übung einfach erlauben, auf das körperliche Gedächtnis zurück zu greifen. Die Vorgehensweise des ZRM ist vielfach erprobt und wissenschaftlich fundiert. Teile davon finden sich auch zum Beispiel beim Coaching[3] wieder.

Nach persönlicher Findung und Festlegung des Mottozieles geht es weiter darum, Ressourcen zu finden, um das eigene Mottoziel verfolgen zu können und darin bestärkt zu werden – vor allem, wenn es zu kniffligen Situationen kommt. So werden beispielsweise vorhersehbare Situationen betrachtet und Handlungsmöglichkeiten erdacht. Das Ganze wird als Lern- und Entwicklungsprozess betrachtet. Sicher klappt zu Beginn nicht alles. Durch das Training im Umgang mit anspruchsvollen Situationen (die am Mottoziel rütteln) ist es einem jedoch zunehmend möglich, mit Schwierigkeiten umzugehen und dem eigenen Mottoziel treu zu bleiben. Klassisches Beispiel ist hier der Transfer des in Kursen neu Gelernten in das Stammesleben. Die bestehenden Strukturen, die Meinungen der Anderen in den Stämmen machen es den Kursteilnehmenden teilweise quasi unmöglich, das neu Erlernte direkt im Stamm umzusetzen. Beim ZRM wird sich gezielt und bewusst mit solchen Herausforderungen befasst.

Dadurch, dass die eigenen inneren Ressourcen und die emotionalen Aspekte mitgenommen werden, sind alle wesentlichen persönlich notwendigen Fertigkeiten bereits vorhanden. Es geht nur darum, diese in der richtigen Art und Weise abzurufen. Eine Methode hierzu liefert das Zürcher Ressourcen Modell, das übrigens frei zugänglich ist – ebenso wie Trainingsvorlagen und Unterlagen.

Für was eignen sich die Mottoziele nun eigentlich? Sofern ich das derzeit einschätzen kann, vor allem für den persönlichen Gebrauch, um sich Ziele zu setzen. Sei es für neue oder bestehende Projekte. Mottoziele können eine*n selber auch dabei unterstützen, mit bestehenden Rahmenbedingungen besser auszukommen, indem sich das eigene Mottoziel darin geschaffen wird.

Für alles Weitere dürften SMARTe Ziele oder die bisherigen Verdächtigen weiterhin wunderbar sein.

Joschko Ruppersberg, Berater*innenkreis

 

[1] Siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/SMART_(Projektmanagement)

[2] Selbstmanagement – ressourcenorientiert; Grundlagen und Trainingsmanual für die Arbeit mit dem Zürcher Ressourcen Modell (ZRM) von Maja Storch und Frank Krause

[3] Selbst in Führung; Achtsam die Innenwelt meistern von Ingeborg und Thomas Dietz

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