Brüder und Besucher der Freimaurerloge
NEUE BRIEFE

Die Freimaurerloge „Zur Weissen Lilie“

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Im Mai 2019 wurde die Freimaurerloge „Zur Weissen Lilie“ auf der Bundesversammlung als neuer Stifter der Stiftung Pfadfinden vorgestellt. Da der neue Stifter den meisten noch unbekannt ist, möchten sie sich nun einmal vorstellen. Ein Gastbeitrag.

In diesem Frühjahr kam zur Stiftung Pfadfinden ein weiterer Stifter hinzu, der zwar schon 59 Jahre lang existiert und so lange auch der Pfadfinderei verbunden ist, in der Öffentlichkeit aber nur wenig in Erscheinung tritt: die Freimaurerloge Zur Weissen Lilie. Selbst in der Bundesversammlung im Mai 2019 kannten viele Teilnehmende den neuen Stifter nicht. Ein Teilnehmer brachte die Gruppe gar in Zusammenhang mit Sekten und auch Vertreter*innen der Stiftung konnten kaum Auskunft geben. Grund genug, die Freimaurerloge Zur Weissen Lilie im Folgenden einmal kurz vorzustellen:

Die Grundideen der Pfadfinderei und der Freimaurerei sind sich ähnlich. Als Lord Baden-Powell die Pfadfinderei 1907 gründete, gab es die Freimaurerei in England bereits über zwei Jahrhunderte. Baden-Powell kannte die Freimaurerei sehr gut. Belegt ist, dass er sich mit einem seiner besten Freunde, dem bekannten Freimaurerbruder Rudyard Kipling lange vor der Entstehung der Pfadfinderei über die Gründung eines humanitären Jugendbundes in Anlehnung an die Freimaurerei unterhalten hat.

So sollte es auch durchaus nicht überraschen, dass bereits ein Jahr später, im Jahr 1908, Baden-Powell selbst es war, der die Gründung der ersten Pfadfinderfreimaurerloge initiierte. Damals riet er seinen Gruppenleitern „in die Logen zu gehen, um sich dort auch als Erwachsene aktiv mit der Arbeit an sich selbst zu befassen“. Diese „Arbeit an sich selbst“ ist ein Kerngedanke der Freimaurerei und zwar ungefähr so, wie es für die Pfadfinderei eine Selbstverständlichkeit ist, ihre Mitglieder spielerisch zur Selbstständigkeit zu erziehen.

Ähnlich der Freimaurerei, in der es auch drei Grade gibt, erdachte Baden-Powell die Pfadfinderei in drei Altersstufen. Als Spielidee der Wölflinge setzte er das Dschungelbuch ein, bei dem es um den jungen Mogli geht, der bei den Wölfen aufwächst, im Rudel sozialisiert wird und ganz zum Schluss den Weg in die Menschenwelt findet. Es geht in dem Buch um die Erziehung des Einzelnen in der Gruppe für die Gemeinschaft. Auch das ist eigentlich ein Grundgedanke der Freimaurerei. Bei ihr geht es darum, dass jeder Mensch bereit ist, sich selbst zu erkennen, daran zu arbeiten und letztlich sich für eine funktionierende Gesellschaft einzusetzen.

Auf Initiative Baden Powells entstanden überall in der Welt Pfadfinderfreimaurerlogen, von denen viele noch immer existieren. Allein in England gibt es inzwischen 63 Logen für Pfadfinder. Als deutsche Loge für Pfadfinder wurde 1960 die Loge Zur Weissen Lilie gegründet. Sie ist jetzt auch Stifter bei der Stiftung Pfadfinden geworden, um auch auf diesem Weg die Pfadfinderei zu unterstützen.

Um die Freimaurerei ranken sich zahlreiche Mythen und Gerüchte, welche sie oft verklären oder in ein falsches Licht stellen. Der Vorwurf, dass Freimaurerei etwas mit Religion zu tun habe oder gar sektiererische Züge habe, ist einer davon. Auf Grund dieser Vorwürfe gab es oft Diskussionen, die so weit gingen, dass sich in den 70er Jahren die Kirche in Deutschland mit dem Thema auseinandersetzte, die Freimaurerei länger untersuchte und hinterleuchtete. Die Ergebnisse des Diskurses bekräftigt die evangelische Kirche Deutschland bis heute. Über die Freimaurerei verlautbarte sie:
„Antimaurerische Propaganda des Nationalsozialismus und seiner Vorläufer hat bei Uninformierten das Ende ihrer Urheber überlebt.“ und weiter: „Freimaurerei ist keine Religion! […] Die Freimaurerei ist auch keine antikirchliche oder antichristliche oder antireligiöse Vereinigung.“
Es bleibt festzuhalten, dass die Freimaurerei ein Bund ist, so wie auch die Pfadfinderei. Sie ist ein Bund, in dem jeder freie Mensch von gutem Ruf Mitglied werden kann. Und sie ist ein ganz normaler gemeinnütziger Verein, der hierzulande dem regulären deutschen Vereinsrecht unterliegt.

Freimaurerei ist längst nicht mehr eine reine Männersache. So, wie es Männerlogen gibt, gibt es auch bereits seit dem 19. Jahrhundert Frauenlogen. Die Themen Politik und Religion sind in allen Freimaurerlogen grundsätzlich tabu; Freimaurerei soll weder politisch noch religiös sein. Entgegen den Gerüchten, dass sich Freimaurerlogen ihre Mitglieder selbst suchen würden, werben Freimaurer nicht; sie gehen vielmehr davon aus, dass jeder, der sich dafür interessiert, den Weg zur Loge selbst findet.

Für alle, die noch Nachfragen haben, stehen wir gerne unter der E-Mail-Adresse lilie871@gmail.com zur Verfügung.

Autor: Kauz, Albrecht Sigler

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    duden

    Toller Artikel und gut geschrieben, im Zuge der Geschichte des BdP und seiner Vorgänger bin ich ja öfter über die Loge zur weißen Lilie gestolpert und habe mich daher im Zuge der Geschichtsforschung des BdP auch aktiv mit der Geschichte der gRündung dieser Loge auseinandergesetzt, die doch sehr eng mit der Geschichte der interkonfesionellen Pfadfinder in Deutschland verbunden ist.
    International sind Logen und Pfadfinder ja nicht selten sehr eng verwoben, so muss in Thailand der gewählte Vorstand der Scouts immer auch Freimaurer sein. in Deutschland wird das thema immernoch sehr stiefmütterlich angefasst, obwohl es in ländern wie England, den USA, oder auch der Türkei (und ich bin mir sicher da gibt es noch wesentlich mehr beispiele) ein viel bekanntes Thema ist. Selbst in Ländern wie Sri Lanka (wo ich ja engen Kontakt zu den Pfadfindern pflege) ist dieses nciht selten Thema und auch hier, wo es vergleichsweise nicht so viele Pfadfiner gibt, habe ich schon mitbekommen, dass es auch dort eine eingen Freimaurerloge für die Pfadfinder gibt….
    Sehr spannedes thema also.

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