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NEUE BRIEFE

Endlich wieder raus – Vorbereitet in die Zeit nach der Pandemie

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Guschtl
Stamm Nibelgau, Welzheim
LV Baden-Württemberg

Das vergangene Jahr hat unsere Gesellschaft vor bis dahin nicht gekannte Herausforderungen gestellt hat. Die globale Pandemie hat dabei auch vor uns Pfadfinder*innen nicht Halt gemacht, mit dramatischen Auswirkungen auf seit langem geplante Veranstaltungen, aber auch auf die Gruppenarbeit vor Ort in den Stämmen. Gleichzeitig ist in den letzten Wochen ein Lichtstreif am Horizont sichtbar geworden: Die Verfügbarkeit von gleich mehreren Impfstoffen und die im letzten Jahr bereits eingetretene saisonale Entspannung im Sommer geben Anlass zur Hoffnung, dass im Laufe des Jahres Pfadfinden wieder mehr in der gewohnten Form stattfinden kann.

Als Bundesvorsand haben wir uns gefragt, was beides, Rückblick und Hoffnung, für unseren Bund bedeutet. Diese Überlegungen haben uns zu einem Konzept geführt, dass wir unter dem Titel „Endlich wieder raus“ derzeit mit Expert*innen aus dem Bund, z.B. aus dem Arbeitskreis Wachstum und Stämme, ausdifferenzieren. Mit diesem Konzept möchten wir direkt die Stämme unterstützen, im Laufe des Jahres 2021 wieder voll durchzustarten – mit Unterstützung für gutes Programm, mit einer gezielten Kampagne zur Mitgliederwerbung für die Stämme und mit einer großangelegten Maßnahme zur flächendeckenden Stammesunterstützung und Stammesberatung.

Warum das Ganze?

Fest steht bereits jetzt, dass das Corona-Jahr 2020 erheblichen Einfluss auf unsere Mitgliederstruktur hatte. Grob gesagt hat sich die Anzahl der Eintritte halbiert (davon betroffen ist insbesondere die Wölflingsstufe) und dadurch hat der Bund insgesamt an Mitgliedern verloren. Das besonders gefährliche ist jedoch, dass die fehlenden Beitritte Löcher in die Altersstruktur der Stämme reißen können, die dann noch lange Folgen haben: Der fehlende Wölfling von heute ist der*die fehlende Pfadi von morgen und der*die fehlende Gruppenleiter*in von übermorgen. Und der*die fehlende Gruppenleiter*in von übermorgen wird dann übermorgen auch keine neue Meute gründen und so können sich Lücken in der Altersstruktur über viele Jahre fortpflanzen. Doch auch darüber hinaus hat die Corona-Pandemie strukturelle Folgen für den BdP: Vielerorts sind Ausbildungskurse ausgefallen oder konnten nicht in gewohntem Umfang stattfinden, wodurch Mangel an ausgebildeten Gruppenleiter*innen entsteht. Mit den Präsenz-Veranstaltungen fehlen genau die Formate, auf denen normalerweise Kontakte zwischen Aktiven im Stamm und der Landesebene entstehen und auf denen sich junge Menschen für ein Engagement im Landesverband begeistern können.

Klar ist also, wir müssen handeln. Wir müssen ein Jahr strukturelle Entwicklung unseres Bundes wieder aufholen!

Doch wie?

Wir sind der Meinung, dass der BdP bereits genau die richtigen Fähigkeiten hat, um gestärkt aus der Krise gehen zu können:

  1. Wir haben das richtige Angebot für die Zeit nach der harten Phase der Pandemie. Für Kinder und Jugendliche heißt das: Abenteuer Pfadfinden, Gemeinschaft erleben, endlich wieder rauszugehen! Für die Eltern bieten wir eine ganzheitliche Förderung ihrer Kinder jenseits vom Homeschooling und nicht zuletzt auch eine verlässliche Betreuung, nachdem die Eltern viele Monate 24/7 für ihre Kinder da sein mussten.
  2. Wir haben mit dem Stammeskompass ein ideales Werkzeug, um die Struktur unserer Stämme zu stärken. Der Stammeskompass ist ein vom AK Wachstum und Stämme entwickeltes Toolkit für Stammes-Planungstreffen, das es ermöglicht, die Entwicklungsbedarfe eines Stammes zu analysieren und konkrete Maßnahmen auf dem Weg hin zu einem starken Stamm zu entwickeln. Diese Planungstreffen werden idealerweise durch speziell geschulte Moderator*innen durchgeführt. Das Konzept Stammeskompass wird seit mehreren Jahren sehr erfolgreich in einigen Landesverbänden angewendet, dadurch gibt es bereits zahlreiche ausgebildete und erfahrene Moderator*innen, welche die Keimzelle für eine bundesweite Anwendung sein können.
  3. Wir haben jetzt die einmalige Chance, ein „Endlich wieder raus“-Paket für unsere Stämme zu schnüren: Bis zur Öffnung der Jugendarbeit wird es noch einige Wochen dauern, diese Zeit gilt es zu nutzen. Wir haben die notwendigen personellen – und bedingt durch Corona auch die notwendigen finanziellen Ressourcen: Dadurch, dass im vergangenen Jahr zahlreiche Veranstaltungen ausgefallenen sind oder digital durchgeführt wurden, wurden viele für die inhaltlichen Aktivitäten vorgesehene Mittel nicht im geplanten Umfang ausgegeben. Diese Gelder können nun in 2021 zugunsten inhaltlicher Arbeit, zugunsten der Stämme eingesetzt werden! Um den straffen Zeitplan zu halten, werden wir auch auf hauptamtliche Ressourcen zurückgreifen. Konkret ist die Besetzung einer Teilzeitstelle geplant.

Die Idee ist also, das Rad nicht neu zu erfinden, sondern unsere Fähigkeiten und Aktivitäten zu einem großen Maßnahmenpaket zu bündeln, um mit viel Schwung in den Neustart 2021 zu gehen! Für die Freund*innen von SWOT-Analysen handelt es sich dabei um eine S/T-Strategie (Details dazu findest du natürlich im Stammeskompass!) – für alle anderen: Wir möchten die Stärken nutzen, die wir als Bund haben, um die Risiken der Corona-Pandemie zu minimieren!

Wie sieht das konkret aus?

Das Projekt „Endlich wieder raus“ basiert auf drei Säulen:

  1. Die Kampagne: Wir haben festgestellt, dass wir das richtige Angebot für die Zeit nach der harten Phase der Pandemie haben – also müssen wir genau zu diesem Zeitpunkt auch dafür Werbung machen! Dazu müssen wir uns nicht verbiegen, sondern wir bauen auf unseren „Markenkern“ auf und sprechen unseren Mitgliedern aus der Seele, wenn es heißt „Endlich wieder raus, endlich Pfadfinden!“. Die Stämme erhalten dazu mit dem „Endlich wieder raus“-Paket geeignete Werbe-Materialien und alles, was sie zur Durchführung einer Werbe-Aktion „out of the box“ brauchen. Flankiert wird das Ganze über die Social Media Kanäle und bundesweite/regionale Elemente. Ziel ist es sowohl neue Mitglieder anzuwerben, als auch bestehende Mitglieder nach der Pandemie wieder zu aktivieren und für unsere Arbeit zu begeistern.
  2. Gutes Programm: Um den Neustart nach dem Lockdown oder die ersten Gruppenstunden nach einer Werbeaktion zu erleichtern, bekommen alle Stämme mehrere fertig ausgearbeitete Gruppenstunden für alle Stufen sowie spezielle Hilfestellung beim altersgerechten Aufarbeiten der Pandemie-Zeit. Ziel ist es dabei natürlich auch, Impulse für langfristig gutes Programm zu setzen.
  3. Starke Stämme: Wir möchten allen Stämmen eine moderierte Durchführung des Stammeskompass anbieten und haben uns gemeinsam mit den Landesverbänden zum Ziel gesetzt, dass ein größtmöglicher Anteil der Stämme davon bereits 2021 Gebrauch machen kann und wird. Dazu brauchen wir nicht nur ein flächendeckendes Netz an Moderator*innen (wir rechnen bundesweit mit einem Bedarf von ca. 200 ausgebildeten Moderator*innen!), mit deren Ausbildung in Kürze begonnen werden soll, sondern auch Strukturen im Hintergrund, welche den Prozess steuern und aus den Erfahrungen der Stammeskompass-Wochenenden die Methode kontinuierlich weiterentwickeln und auf die Bedürfnisse der Stämme anpassen.

Wie geht es jetzt weiter?

Da unklar ist, zu welchem Zeitpunkt und in welchem Maß wieder Gruppenstunden stattfinden können und die Ziele anspruchsvoll sind, ist der Zeitplan straff. Anfang Januar wurden mit Christoph Weber (chisum) und Arno Schäfer (beide LV RPS) zwei Teilprojektleiter für die Bereiche Stammeskompass und Kampagne berufen, die bereits von Anfang an das Projekt wesentlich mitgestaltet haben. Auf den ersten Aufruf zur Mitarbeit im Projekt haben sich erfreulich viele Menschen gemeldet und wir sind auch guter Dinge, noch im März mit hauptamtlicher Unterstützung weiter durchstarten zu können. Das Paket für die Stämme ist im zweiten Quartal geplant, spätestens nach den Sommerferien sollen die Stammeskompass-Moderationen vor Ort beginnen. Auch die nächste pfade-Ausgabe wird das Projekt als Schwerpunktthema aufgreifen.

Du siehst, wir haben uns hier Großes vorgenommen und dem Projekt eine hohe strategische Priorität eingeräumt. Ich bin sehr froh, dass es uns gelungen ist, binnen so kurzer Zeit kompetente und tatkräftige Mitstreiter*innen im Bund zu finden. Um ehrlich zu sein: Ich habe noch selten so sehr alle Ebenen des BdP, alle inhaltlichen Bereiche und alle beteiligten Personen von einer Idee so begeistert und so sehr an einem Strang ziehend gesehen, wie bei diesem Projekt. Wenn das kein Zeichen für einen erfolgreichen Weg aus der Pandemie ist, was dann?

 

Sebastian Köngeter (Guschtl)

Bundesvorsitzender

Stamm Nibelgau (Welzheim)

LV BaWü

 

Foto: Leonie Kaule

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