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NEUE BRIEFE

Enttabuisiert den Alkohol!

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Olli
Stamm Geisterburg, Bargteheide
LV Schleswig-Holstein/Hamburg

Brechen wir mit einem Tabu, reden wir öffentlich über Alkohol im Bund. Über Bier und Wein sprechen wir sonst nur hinter vorgehaltener Hand und trinken es, wenn die Sipplinge in den Schlafsäcken liegen. Ein ambivalentes Verhalten, das keinen Sinn hat. Wir tabuisieren grundlos den Umgang mit Alkohol im BdP. Warum eigentlich?

Haben wir Angst, dass Eltern ihre Kinder abmelden, wenn sie davon erfahren? Wir sollten vielmehr Angst davor haben, dass sie es machen, wenn wir etwas verheimlichen. Auch der traditionelle Streit in der bündischen Jugend über den zweiten Zusatz zur Meißner-Formel „Alle gemeinsamen Veranstaltungen der Freideutschen Jugend sind alkohol- und nikotinfrei“ ist sicher kein Grund für das Tabu. Er ist aber für einige Stämme und Landesverbände Argumentationsgrundlage für Abstinenz. Und doch singen auch viele dieser Gruppen vom roten Wein im Becher, dem goldnen Rebensaft und einem Haufen Zecher. Dabei bleibt es. Ein pädagogisches Herangehen an das Thema Alkohol gibt es selten.

Derzeit handhaben es viele Stämme so: Bier und Wein werden tagsüber versteckt, so als ob sie nicht vorhanden sind. Schwarze Zeltplanen tarnen Bierkästen. Abends in der R/R-Singerunde kreisen dann die Flaschen. Davon bekommen die Sipplinge in der Regel nichts mit. Am nächsten Morgen räumt ein R/R beschämt eine vergessene leere Flasche aus der Jurte, bevor ein Wölfling sie entdecken kann. Nach Außen und zu allen unter 16 Jahren wird so getan, als gebe es keinen Alkoholkonsum. Im Stammesrat wird nur selten über ihn gesprochen.

Die Tabuisierung ist das Schlimmste, was wir machen können. Das kann zu falschen Schlüssen führen, schlimmstenfalls Negatives erreichen: Alkohol als Tabu, das den R/Rs erlaubt ist und daher wie das R/R-Sein glorifiziert wird oder gar fälschlicherweise mit der Stufe gleichgesetzt wird.

Im BdP halten wir uns in jedem Fall an die gesetzlichen Bestimmungen. Es darf kein Bier und Wein für Jugendliche unter 16 Jahren geben, das ist der Grundkonsens. Der Umgang mit Alkohol in einzelnen Stämmen, Landesverbänden und auf Aktionen dagegen kann unterschiedlich sein, aber auch das sollte besprochen und akzeptiert werden. Eigene Regeln zeigen, dass wir uns darüber Gedanken machen und unser Handeln hinterfragen.
Das können sein:

  • es gibt nur eine bestimmte Höchstmenge pro Person,
  • es wird zentral eingekauft, niemand bringt etwas mit,
  • es gibt alkoholfreie Abende,
  • es gibt mindestens eine nüchterne Fahrerin/einen Fahrer für mögliche Notfälle,
  • es gib keinen harten Alkohol.

Natürlich müssen wir auch darüber reden, wenn jemand zu viel trinkt. Dazu kommt es, denn das Austesten von Grenzen ist menschlich und gehört zum Heranwachsen dazu. Nur muss jede und jeder die richtigen Schlüsse daraus ziehen. Dabei hilft nur eine Enttabuisierung.

Fakt ist: Das Trinken von Bier und Wein gehört nicht zum pädagogischen Konzept des BdP. Die Diskussion darüber und verantwortungsvolle Verhaltensweisen können dagegen von hohem pädagogischen Wert sein. Fangen wir damit an!

 

Foto: Samuel Lechner

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    Auf die Meißnerformel wurde 2013 jedenfalls reichlich angestoßen… Anspruch und Wirklichkeit klaffen da deutlich. Als spitze Fassung von „Ich will mich beherrschen“ und als hehres Ziel geht das aber in Ordnung. Die Alkoholfreiheit liegt eher in der Stammestradition; da gibt es natürlich das gesamte Spektrum. Diese Diskussion wird wohl in jeder Gruppenleitungsgeneration geführt; bei uns im Landesverband war es letztes Jahr so weit. Die Fronten sind etwas verhärtet, aber der Umgang ist jetzt bewusster.

    Dass die Altersgrenze 16 Jahre eine gesetzliche Schwelle ist, war vermutlich wichtiger Grund, die R/R-Stufe dort beginnen zu lassen. Deswegen ist Alkohol auf natürliche Weise ein R/R-Thema – ich sehe da keinen Zusammenhang mit einer möglichen Tabuisierung. Stattdessen rüttelt eine offene Diskussion an unserm Markenkern „Heile Welt“. Der einfachere Weg ist, nicht zu fragen und nichts zu sagen. Ich glaube, dass über die immer wieder aufkommende, interne Diskussion eine Selbstregulierung geschieht. Die Maßgabe ist doch, dass wir das in uns gesetzte Vertrauen und die Verantwortung für Kinder und Jugendliche wahrnehmen können. In den seltensten Fällen klappt das wegen Alkohol nicht. Das wird dann aber auch angesprochen und hat Konsequenzen. Da sehe ich kein Problem – Alkohol gefährdet unsere Mitglieder nicht mehr als anderswo. Wie viel die Kinder vom Alkohol mitbekommen, hängt nach meiner Einschätzung vor allem davon ab, was zu Hause vorgelebt wird. Die Kinder sind ja auch nicht dumm. Wenn sie wissen, was eine Bierflasche ist, erkennen sie sie auch auf einem Pfadfinderlager.

    Im Artikel kommt etwas kurz, dass Alkohol eine Droge ist und nicht verharmlost werden sollte. Er lässt sich ja nicht zum Spaß nicht bezuschussen. Eine Bierkasse muss deswegen notwendigerweise parallel zur „echten“ Abrechnung der Veranstaltung geführt werden. Das ist auch in Immenhausen so.

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