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NEUE BRIEFE

Meute, wir müssen reden!

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Sir Robert Baden-Powell. Dieser Name ist heilig. Zumindest wurde mir das so beigebracht. Auf meiner ersten Fahrt, bei meiner Probe für’s gelbe Halstuch, musste ich ihn aufsagen können. Er hat schließlich die Pfadfinder*innenbewegung gegründet! Unser Meuten-Maskottchen hieß „Bipi“, ein Kuscheltier mit Kluft und allem.

Irgendwann habe ich festgestellt, dass der gute Robert kein Gott ist. Er hat sich ein tolles pädagogisches Konzept überlegt, das Naturverbundenheit und das Erlernen technischer Fähigkeiten beinhaltet.

Viel mehr als dass er auf jeden Fall ein Heiliger ist, wusste ich bis zu meinem Kurs für Meutenführungen nicht über ihn. Ich erfuhr dort von Rudyard Kipling, Roberts Kumpel, dessen Dschungelbuch die Grundlage für unsere Meute ist. Ratsfelsen, Wolfsgeheul und eine kleine kuschlige Familie. Das sind tolle Bilder. Aber Kipling war ein Befürworter von Rassenlehre und Gewalt. Robert hat Kipling mit der Verwendung des Dschungelbuchs eine riesige Bühne geschenkt.

Robert Baden-Powell wurde von Unterstützer*innen der Black Lives Matter Bewegung auf die „Topple The Racists“-List[1] gesetzt, eine Liste von Statuen, die entfernt werden sollen, weil sie Rassisten abbilden[2]. Uff. Auf eine spirituelle Verbindung mit dem Typen kann ich echt verzichten. WOSM (World Organization of the Scout Movement) rechtfertigte sich, statt sich mit der Kritik von Black Lives Matter auseinanderzusetzten und auf sie einzugehen. Die Pfadfinderwelt sei inklusiv und offen[3].

Wenn wir nicht darüber reden, dass Robert und Kipling belastende Ansichten hatten, können wir Pfadfinder*innenkultur in die Tonne hauen, finde ich. Wir sollten nachforschen, aufklären, alles in Frage stellen und uns distanzieren. Können wir verantwortungsbewusst handeln und gleichzeitig die schönen Ideen der Pfadfinder*innenbewegung erhalten?

Manche sagen: „Er ist auch nur ein Kind seiner Zeit.“ Meine Antwort darauf lautet: Wir sind Kinder unserer Zeit! Ich habe keinen Bock darauf Wölflingen Vorbilder aus der Vergangenheit zu präsentieren, deren Werte nicht mit meinen übereinstimmen.

Wir Pfadfinder*innen präsentieren uns immer als unglaublich offen. Dabei fangen wir gerade erst an, an der obersten Schicht unserer vor Rassismus triefenden Geschichte zu kratzen.

Wir müssen mit Wölflingen über die Roberts und Kiplings unserer Vergangenheit reden.

 

[1] https://www.toppletheracists.org/

[2] Darüber wurde in vielen Zeitungen berichtet, z.B. hier https://www.thewestmorlandgazette.co.uk/news/18511834.statue-baden-powell-removed—others-targeted-topple-racists/
https://www.standard.co.uk/news/uk/baden-powell-black-lives-matter-statue-poole-a4465726.html

[3] https://www.scout.org/wosm-bp-statue-uk

 

Ein Kommentar von 

Meggy Alvim Faria da Silva

Meutenführung bei der AG Heveller

Stamm Hunnen, BBB

 

Foto: David Christiansen (Frieder)

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Was denkst du?

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    Malte

    Ui ui ui…

    Hallo Meggy Alvim Faria da Silva,

    So besonders tief recherchiert hast Du scheinbar nicht. Um auf die Liste https://www.toppletheracists.org/ zu kommen, bedarf es nur eines kurzen Formulareintrages von irgendwem…
    Der Eintrag zu B.P. ist auch mehr als knapp, ohne jeden Beleg und min. zur Hälfte inhaltlich falsch… Wenn man also Referenzen nutzt, sollte man diese bitte auch zumindest oberflächlich hinterfragen.

    Doch zum Inhaltlichen:
    Es ist wahr, dass sowohl B.P. als auch Kippling Teil des Britischen Kolonialismus waren. Das ist alles andere als rühmlich und soll auch nicht verschwiegen werden. Doch haben beide auch Ihre positiven Seiten:

    Im Dschungelbuch wird
    – eine absolut basisdemokratische Gesellschaftsordnung aufgezeigt mit all ihren Vorteilen und auch mit den Gefahren, die solch einer Gesellschaftsform drohen. (Siehe Ratsfelsen, zeitweise Herrschaft von Shir Khan,…)
    – Es wird die mögliche Überbrückung von Todfeinden über alle Gesellschaftsformen hinweg in Notlagen gezeigt (siehe „ich und Du, Du und ich, wir sind vom gleichen Blut“ …)
    – Es wird der Grundkonflikt zwischen Mensch und Natur gezeigt.
    Ein Mensch, der in das kolonialistische System Britanniens hineingewachsen ist, der dennoch soetwas schreibt, was der damaligen Gesellschaftsordnung fundamental entgegensteht, kann nicht in allen Facetten seines Daseins so schlecht gewesen sein.
    Bedenkt diese drei Punkte oben bitte einmal aus der Sicht der Zeit Kipplings.
    – Basisdemokratie, war nahezu der „Super GAU“ einer Gesellschaft für die Zeitgenossen Kipplings, in etwa so wie Kommunismus zu Zeiten des kalten Krieges (oder in Augen von Trump).
    – Humanitäre Überbrückung von Feindbildern, gab es zwar schon (siehe Gründung des Roten Kreuzes), war aber immerhin etwas sehr neues und gab es auch nur unter „zivilisierten Kriegsparteien“…
    – Es gab noch nicht einmal ein Wort für Naturschutz. Und in dieser Zeit den Raubbau an der Natur aufzuzeigen war etwas geradezu bahnbrechendes.
    Das Pädagogische Konzept der Pfadfinderei auf „Naturverbundenheit und erlernen technischer Fähigkeiten“ zu reduzieren macht mich ein wenig Fassungslos… Hast Du hier bewusst den großteil unterschlagen, oder kennst Du unsere Grundlagen wirklich nicht?
    Die Ziele der Pfadfinderei sind:
    – Überbrückung von kulturellen-, ethnischen- und sozialen Unterschieden
    – Erziehung zu Frieden und Völkerverständigung
    – Selbsterziehung zu Verantwortung (Gruppendynamik)
    – Naturschutz
    – …
    Das Erlernen technischer Fähigkeiten gehört übrigens nicht zu den Zielen.

    Ja, B.P. war Soldat, und hat es als solcher weit gebracht, und das tut man nicht ohne das System in dem man lebt aktiv zu unterstützen.
    – Bei „toppletheracists“ steht, er habe Gräul an den Zulus verüb. Verbürgt ist, dass er gegen die Zulus gekämpft hat. Zu Gräueltaten habe ich nichts gefunden. Offensichtlich hatte B.P. aber großen Respekt vor den Zulus und Ihrem König, da er später Teile der Königskette der Zulus als Auszeichnung für die Absolventen der ersten Gruppenleiterausbildung vergab. Immerhin wurde der Enkel des letzten Zulu-Besitzers dieser Kette, also der Enkel des letzten Zulu-Königs später selber Pfadfinder und erhielt die letzten verbliebenen Teile dieser Kette. So groß können die Gräueltaten vermutlich nicht gewesen sein, wenn der Enkel des Mannes, gegen den diese Gräuel angeblich begangen wurden, selber Pfadfinder wird, und eine Auszeichnung aus den Händen des „Täters“ empfängt.
    – Bei „toppletheracists“ steht weiterhin, er sei ein Unterstützer der Nazis gewesen… . B.P. ist immer für Völkerverständigung eingetreten. Es ist sehr schwer vorstellbar, dass er da eine zutiefst nationalistische Bewegung unterstützt haben soll. Ja er hat das Hakenkreuz selber genutzt. Das tat er aber lange bevor es überhaupt Nazis gab. Das Hakenkreuz ist ein sehr altes indisches Glückssymbol, und als solches hat er es benutzt. Die Nazis haben es erst sehr viel später verwendet.

    Alle Menschen, die heute als Vorbilder betrachtet werden, waren immer auch Kinder Ihrer Zeit. Und keiner hatte eine Blütenreine Vergangenheit. Geehrt werden Sie heute, weil sie mit einigen Punkten aus dem damaligen Zeitgeist herausragten, nicht weil sie ihm vollständig widersprochen haben.
    – Martin Luther -> war Antisemit
    – Thomas Jefferson, Benjamin Franklin, John Adams, Roger Sherman, Robert R. Livingston “All Men are equal…” -> waren Sklavenhalter
    – Nelson Mandela -> war Vorsitzender des ANC, welcher Bombenanschläge unter seinem Vorsitz verübte.
    Nenn eine Person, die Heute als Vorbild dienen kann, und Du wirst auch dunkle Seiten finden. Bevor man heute jemanden verurteilt, recherchiere zunächst einmal von allen Seiten

    Gut Pfad
    Malte

    • Avatar
      Cäcilie

      Hey Meggy,
      vielen Dank für deinen Kommentar! Du hast absolut recht – wir müssen uns mit unserer Vergangenheit auseinandersetzen und das betrifft Wölflinge genauso wie R/Rs.
      Nicht jede*r traut sich so kritisch und offen zu schreiben, mach weiter so! ❤️

    • Avatar
      Fuchs (Andrea Ries)

      Hallo Malte,
      was ich aus Meggys Artikel vor allem herauslese, ist, dass sie wahrgenommen hat, dass bestimmte BLM-Aktivist*innen in BPs Statue ein Andenken an den Kolonialismus sehen und deshalb versucht haben, sie zu stürzen. Darüber macht sie sich nun (in Form eines Diskussionsbeitrags und keines Fachartikels) ihre Gedanken als Meutenführung und Aktive im BdP. Das zeigt, wie ich finde, eine Bereitschaft sich mit schwierigen Themen kritisch auseinanderzusetzen und auch Schlüsse zu ziehen, also Verantwortung zu übernehmen (ganz im Sinne unserer Regeln).

      Ich persönlich bin der Ansicht, dass man bei Rassismusvorwürfen zunächst der Versuchung widerstehen sollte, zu relativieren, sondern die Kritik ernst nehmen sollte und ihr auf den Grund gehen sollte.
      Ich denke auch, dass man durchaus unterschiedlicher Meinung darüber sein kann, welche Schlüsse man aus der Rolle von Kipling und BP im Kolonialismus ziehen sollte. Laut Meggy: „Wenn wir nicht darüber reden, dass Robert und Kipling belastende Ansichten hatten, können wir Pfadfinder*innenkultur in die Tonne hauen, finde ich. Wir sollten nachforschen, aufklären, alles in Frage stellen und uns distanzieren.“ Viel weiter geht Meggy hier nicht, und das finde ich völlig in Ordnung an dieser Stelle, denn die Recherche ist sehr aufwendig und viele Dinge sind nicht so einfach zu bewerten und auch gute Quellen zu finden erfordert viel Zeit.

      Zum Beispiel gibt es zur Herkunft der Woodbadges durchaus unterschiedliche Darstellungen, die kursieren. Sehr wahrscheinlich hat BP die Kette von Dinizulu im Zuge von Kampfhandlungen aus der Hütte des Chiefs mitgenommen (Nachzulesen im Wiki der Südafrikanischen Pfadfinder*innen: https://scoutwiki.scouts.org.za/wiki/Dinizulu_-_the_wood_badge_beads) Deinen Satz „So groß können die Gräueltaten vermutlich nicht gewesen sein, wenn der Enkel des Mannes, gegen den diese Gräuel angeblich begangen wurden, selber Pfadfinder wird, und eine Auszeichnung aus den Händen des „Täters“ empfängt.“ lese ich als eine Relativierung und starke Vereinfachung von Gewalt während der Kolonialzeit. Da geht es um ein ganzes System der Unterdrückung und die Trennung zwischen Geschädigten und Täter*innen ist nicht so einfach, bis heute. Welche Chancen hatten die Nachfahren von Dinizulu ihren Stolz zu erhalten in einer solchen Situation? Wie standen die Nachfahren von Dinizulu zur Kolonialherrschaft? Welche Stellung hatten und haben sie in der Gesellschaft in Südafrika? Das sind alles Fragen, die man sich in diesen Kontexten stellen müsste, wenn man denn eine abschließende Bewertung treffen möchte. Was ich damit sagen möchte: Es ist einfach verdammt kompliziert die Auswirkungen dieser Zeit bis heute zu verstehen (Das ganze Feld der Postcolonial Studies beschäftigt sich damit seit Jahrzehnten). Aber wir sollten doch als absolutes Minimum die Gewalt der Kolonialzeit, die bis heute unsere Gesellschaft und die Machtverhältnisse in der Welt formt, einfach mal anerkennen, bevor wir uns in Relativierungen einkuscheln.

      Bei einer Sache stimme ich dir zu: Die Medienberichterstattung rund um topple the racists und BP ist tatsächlich nicht sehr sauber gewesen, viele Dinge über BP wurden aus dem Zusammenhang gerissen und das von professionellen Journalist*innen. Ich hätte mir gerade deshalb eine differenziertere Stellungnahme von WOSM gewünscht, als die, die Meggy zitiert.

      Vor allem aber stelle ich etwas fest (und so lese ich auch deinen Kommentar): Auf eine Positionierung einer jungen, aktiven Meutenführung, die fordert sich mit der Kolonialvergangenheit des Pfadfindens innerhalb des BdPs mehr zu beschäftigen und Konsequenzen zu ziehen, folgt ein Kommentar, voll mit Korrekturen und Informationen, die die Autorin selbst gar nicht aufgebracht hat.
      Es gibt am Kolonialismus meiner Meinung nach einfach nichts schön zu reden. Und wie kämpft man bitte ohne „Gräueltaten“? Unter welchen Umständen, Machtverhältnissen und Voraussetzungen fanden die Kriege, an denen auch BP aktiv beteiligt war, überhaupt statt? Wie du selbst schreibst, sollte einfach nicht verschwiegen werden, dass auch BP und Kipling ihren Anteil daran hatten. Erst dann können wir meiner Meinung nach auch glaubwürdig über das reden, was sie dem Pfadfinden vermacht haben und ihre Biographien wirklich von mehreren Seiten betrachten, alles andere ist flacher Personenkult.
      Dass Personen gute Ideen hatten und Impulse gesetzt haben und ausbeuterische, rassistische Systeme unterstützt haben, schließt sich, wie wir an vielen Beispiel sehen, nicht aus. Warum dann der Vorwurf, hier sei schlecht recherchiert worden? Nein, hier geht es einfach um einen bestimmten Umstand und die Autorin gibt auch nicht vor, viel weiter recherchiert zu haben.

      Ich würde deinen Kommentar gerne einfach als Ergänzung lesen, als „Hey, man sollte auch folgendes nicht vergessen“, aber in dieser Form, eingeleitet mit „ui ui ui“, gerichtet an eine junge Meutenführung, die hier so mutig war sich in der pfade, die eine gar nicht so kleine Auflage hat und auch online veröffentlicht wird, zu einem schwierigen Thema so klar zu äußern und ihre Vision und Wünsche zum Ausdruck zu bringen, finde ich mindestens schlechten Stil und destruktiv für eine Diskussion im Bund.

      Gut Pfad,
      Fuchs

  • Avatar
    Unsinn

    Hallo Meggy,

    Du sprichst mir da absolut aus der Seele! Ich war auch wirklich erschrocken, als mir zum ersten Mal bewusst geworden ist, wie beschönigend wir mit vielem umgehen. Ich würde mir auch sehr wünschen, dass wir im BdP auf allen Ebenen offener und differenzierter mit unseren Wurzeln umgehen. Es ist ja völlig in Ordnung, die guten Aspekte zu behalten und auch darauf stolz zu sein, aber genauso wichtig ist es die dunkleren Seiten zu beleuchten und sich ganz gezielt, und auch laut und deutlich, davon abzugrenzen.

    Ich habe das Gefühl, dass sich in letzter Zeit schon einiges im BdP in diese Richtung tut. Vieles bleibt dabei aber noch, verständlicherweise, auf Bundes- oder vielleicht Landesebene. Deswegen halte ich das Vorhaben, diese Dinge in den Stämmen und selbst in der Meute zu thematisieren, für unglaublich wichtig und genau das richtige. Sicher keine ganz leichte Aufgabe. Aber ich arbeite beruflich mit Kindern zusammen und ich bin immer wieder erstaunt und begeistert, über ihre Fähigkeit, komplexe Wahrheiten anzunehmen und sich kritisch damit zu beschäftigen. Und Heranwachsenden Herausforderungen anzuvertrauen, sie dabei zu unterstützen und damit Unglaubliches zu erreichen, ist meiner Meinung nach unsere größte Stärke im BdP. Von daher habe ich keinen Zweifel daran, dass es auch hier gelingen wird.

    Vielen Dank, dass du dich des Themas angenommen hast, und für den tollen Artikel!

    Alles Liebe und gut Pfad,
    Unsinn/Svenja
    Stamm Wüstenfüchse, LV Hessen

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    Nicola

    Hallo Meggy,

    erstmal danke für deinen Beitrag, aus eigener aktiver Erfahrung weiß ich in welche schwierigen Gewissenskonflikte und Erklärungsnöte man teilweise kommt, wenn man jungen Pfadfinder*innen die Geschichte ihrer Bewegung erklärt. Und ich finde genau da knüpft dein Beitrag super an, sich kritisch mit der Geschichte der Pfadfinderbewegung auseinander zu setzen kommt noch vieeeel zu kurz, und gerade deshalb ist es so wichtig offen darüber zu sprechen und Stellung zu beziehen. Solche Beiträge sind nicht nur Mut machend, sondern machen mich auch stolz welcher Pfadfinder*innen-Generation ich angehören darf. Du hast geschrieben „Wir sind Kinder unserer Zeit“ und da kann ich dir nur aus vollem Herzen zustimmen, kritisch und reflektiert mit Werten die wir vertreten an die eigene Pfadfinder*innenarbeit ranzugehen und die Taten und Hintergründe derjenigen, deren Namen wir von kleinauf lernen zu kritisieren und für unsere eigenen Wölflinge reflektiert weiterzugeben, ist eine Arbeit bei der ich mir gewünscht hätte, dass sie stattgefunden hätte, als ich selber Wölfling war. Bei dieser Arbeit sind ‚Whataboutism‘, Relativierung und das Rauspicken der Rosinen damit man nachts gut schlafen kann (siehe Maltes Kommentar) komplett fehl am Platz! Auch sich im Kleinklein der Definition von Pfadfinderei zu verlieren lenkt nur vom eigentlichen Punkt ab: Es ist an der Zeit kritisch zu hinterfragen, welche Ursprünge Pfadfinderei hat, denn nur dadurch können wir auch die Aspekte die bis heute unwissentlich unsere Jugendarbeit beeinflussen und aus kolonialen Zeiten stammen reflektieren (Verweis auf Gillwell-Klötzchen) und bessere ehrenamtliche Arbeit leisten und noch dazu die Welt ein bisschen freundlicher machen und unsere Wölflinge mit einem Bewusstsein für historische Strukturen ausstatten. Genau darauf hast du aufmerksam gemacht und das ist viel zu selten und super wichtig, also danke für deinen Beitrag!

    Gut Pfad
    Nicola

  • Avatar
    Aaron

    Hey Meggy,
    das ist ein inspirierender Kommentar von dir. Vielen Dank für deinen Mut, dich in solch ausdrucksstarker Weise in eine Auseinandersetzung zu werfen, die im BdP gerade erst begonnen hat. Ich finde nicht, dass die von dir geschilderten Gefühle und Widersprüche deiner aktiven Meutenführungsarbeit eine stete quellenstrenge Unterfütterung im Stile einer historischen Facharbeit bedürfen. Den kritischen Blick auf unsere Herkunft und Traditionen finde ich (gerade im Hinblick auf unsere Herkunfts-LV) sehr unterstützendswert.
    Ich freue mich auf spannende Diskussionen mit dir in den kommenden Jahren.

    Beste Grüße und Gut Pfad!

    Aaron

  • Avatar
    Richard

    Whoa Meggy,

    da hast du anscheinend einen Nerv getroffen, aber das war dir sicher vorher klar. Die Werte, für die Gründer und Grundlagen unserer Bewegung standen und die Werte, die wir immer noch vermitteln wenn wir ihre Namen hochhalten, zu hinterfagen, ist für manche ein schmerzhafter Prozess. Schwierig wird es für uns alle werden.

    Um Heilige kann sich die DPSG kümmern. Großartig also, wenn du deinen Wölflingen beibringst, dass die Welt nicht nur schwarz und weiß ist. Großartig finde ich auch, dass du nicht nur mit deiner Meute redest, sondern außerdem diese Plattform nutzt um eine lange überfällige Diskussion weiter voranzutreiben.

  • Wiebke
    Wiebke

    Liebe Meggy,
    Ich sehe das ganz anders als Malte! Ich finde es ziemlich stark, dass du deine Eindrücke, Bedenken und ersten Schlussfolgerungen zu diesem schwierigen Thema ausformulierst und in diesem Format als Kommentar veröffentlichst. Ich würde mir sehr wünschen, dass mehr und mehr Pfadfinder*innen, Sippen- und Meutenführungen und ingesamt Mitglieder unseres Bundes sich mit den Zusammenhängen zwischen der Entstehungsgeschichte unserer schönen Pfadfinder*innenbewegung und dem Kolonialismus auseinandersetzen. Daran können wir eine ganze Menge lernen, und als Menschen und Bund wachsen. Und außerdem sind wir es den von Kolonialismus und Rassismus betroffenen Menschen schuldig.

    Schade, viel mehr, extrem ärgerlich und unpassend finde ich dann einen solchen Kommentar wie den von Malte, der meiner Meinung nach sehr herablassend auf diese persönliche Perspektive reagiert, die dargestellten Fakten mit unangemessenen Vergleichen relativiert und diverse Nebenschauplätze eröffnet. Nichts spricht gegen eine inhaltliche Auseinandersetzung, und wir stehen sicher alle gemeinsam noch am Anfang herauszufinden, wie wir mit unserer kolonialen Vergangenheit umgehen sollten. Aber diese Art der Kommunikation erschwert eine produktive und offene Auseindersetzung.

    Meggy, dir wünsche ich Alles Gute für das weitere verfolgen dieses Themas in deiner Meute, deinem Stamm, deinem LV etc. und freue mich auf Erfahrungsberichte, Erkenntnisse und anregende Diskussionen – am liebsten auch bald mal wieder am Lagerfeuer in Immenhausen 🙂

    Liebe Grüße & Herzlich Gut Pfad

    Wiebke

  • Julian
    Julian

    Liebe Meggy,
    danke für deinen Beitrag! Es gehört viel dazu, die eigene Tradition kritisch zu hinterfragen und sich auch unangenehme Fragen zu stellen. Ich hoffe aus deinem Impuls entwickelt sich eine lebhafte und konstruktive Diskussion im BdP.
    viele Grüße
    Julian

  • Avatar
    Dana

    Ich sehe das genau so wie du Meggy, ich finde es super, dass du dieses Thema hier so ansprichst!
    Gut Jagd,
    Dana

  • Avatar
    Jonathan

    Ich finde das Thema auch sehr interessant und wichtig und wusste bis jetzt selbst nichts über die politische Einstellung von Robert Baden-Powell und habe da auch nie drüber nachgedacht. Trotzdem finde ich, dass du an einigen Stelle Dinge sehr überziehst und nicht korrekt darstellst. Ich hatte in meiner Meutenzeit und wir sind in der gleichen Meute groß geworden, nie das Gefühl, dass B.P. ein anbetungswürdiger Gott ist. Ich fand den immer deshalb gut, weil er die Pfadfinder erfunden hat und nicht weil mir meine MeuFü das so eingetrichtert hat.

    Dazu hast du in deinem Artikel zwar geschrieben, dass B.P. selbst ein Rassist war, dies aber an keiner Stelle mit Argumenten belegt, deine einige Aussage war, dass er das Buch eines Menschen der die Rassenlehre befürwortete unterstützt hat, nicht den Menschen selbst (also nicht direkt) sondern sein Buch und das macht B.P. noch nicht zum Rassisten. Ich will damit gar nicht sagen, dass er das nicht trotzdem gewesen sein kann, aber in dem Artikel fehlt mir eine vernünftige Kausalität, die das beweist.
    Auch finde ich die Formulierung „vor Rassismus triefend“ in Bezug auf die Geschichte der Pfadfinder sehr unpassend und unbegründet, denn an keinem Punkt des Textes beschäftigst du dich mit der Geschichte der Pfadfinder in Bezug auf Rassismus oder Gewaltverherrlichung.

    Es ist unglaublich wichtig, dass wir uns mit unserer Vergangenheit beschäftigen, in allen Lebensbereichen, aber das sollte man immer unvoreingenommen und reflektiert tun, ein einfaches Schwarz-Weiß-Denken ist nicht zulässig.
    Ich werde mich selbst nochmal mit B.P.s Person beschäftigen, weil ich es auch nicht in Ordnung finde einen eventuell rassistischen Gründer kritiklos weiter als guten Menschen darzustellen.
    Aber mir fehlt es in deinem Artikel leider eindeutig an Argumenten, die dafür sprechen, dass B.P. ein politisch verwerflicher Charakter war, dass man ihn so verteufeln sollte.

    Gut Pfad Jonathan

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