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NEUE BRIEFE

Pfadfinden ist unpolitisch

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Olli
Stamm Geisterburg, Bargteheide
LV Schleswig-Holstein/Hamburg

„Da war doch neulich eine BdP-Gruppe auf einer Demo. Das geht doch nicht! Pfadfinden ist unpolitisch!“
Der letzte Satz ist wohl das größte Missverständnis, das es im BdP gibt. Er suggeriert, dass wir als Pfadfinderinnen und Pfadfinder außerhalb der Gesellschaft bestehen, dass sie uns nichts angeht und wir alles als gegeben hinnehmen. Wieso?

Zuerst lohnt sich ein Blick auf die Begriffsdefinition des Wortes Politik. „Politik ist die ‚Staatskunst‘. Sie regelt das geordnete Zusammenleben der Bürgerinnen und Bürger. Es geht in der Politik um alles, was mit Gestaltung und Einflussnahme in Gesellschaft zu tun hat, sowohl im persönlichen als auch im öffentlichen Bereich“, heißt es bei der Bundeszentrale für politische Bildung.

Politik wird nicht allein von Parteien und Politikerinnen und Politikern gemacht. Dazu gehören beispielsweise ebenso Einzelbürgerinnen und -bürger, Lobbygruppen, Unternehmen und Vereine – also wir.

Der BdP als Teil der Gesellschaft hat politische Interessen, die er beispielsweise im Deutschen Bundesjugendring (DBJR) gegenüber der Bundespolitik vertritt. Das wären zum Beispiel die finanzielle Förderung unserer Jugendarbeit und die Anerkennung des ehrenamtlichen Engagements unserer Mitglieder.

Richtig ist, dass wir weder einer Partei oder deren Jugendorganisation angehören, noch ihnen nahestehen. Das steht auch so in unserer pädagogischen Konzeption im Kapitel über unser Selbstverständnis: „Demokratie lebt vom Mitmachen. Wir wollen sie als Prinzip stärken, indem wir sie in unserer eigenen Arbeit verwirklichen. Dabei sind wir parteipolitisch unabhängig, betreiben aber politische Bildung und fördern das politische Engagement unserer Mitglieder.“ In der Satzung steht dazu übrigens nichts.

Der BdP ist also parteipolitisch unabhängig. Das ist ein großer Unterschied zur Aussage, dass Pfadfinden nicht politisch ist. Ganz im Gegenteil.

In der pädagogischen Konzeption sind auch die Ziele unserer Arbeit definiert. Da steht unter anderem Folgendes: „sich eine eigene Meinung zu bilden sowie Interesse an politischen Fragen zu wecken“ sowie „zu sozialem und ökologischem Engagement ermutigen“. Deswegen ist die politische Bildung ein wichtiger Bestandteil in unserer Jugendarbeit. Das soll sie laut pädagogischer Konzeption erreichen: „Politisches Handeln fängt im Alltag und vor Ort an. Dabei geht es beispielsweise um Mitwirkung an Entscheidungsprozessen, Einflussnahme auf die kommunale Politik und bewusstes Einkaufsverhalten. Politische Bildung heißt Zusammenhänge zu erkennen, zu hinterfragen und zu nutzen.“

Das bedeutet: Wir wollen das kritische Denken unsere Mitglieder anregen und stärken. Außerdem sollen sie sich für etwas einsetzen. Das ist höchst politisch. Wenn die Bundesversammlung Stellungnahmen beschließt, wenn wir eine Ernährungscharta diskutieren, einführen und umsetzen, wenn wir uns für die Integration von Geflüchteten einsetzen, dann ist das oft politisch, weil es das Zusammenleben im BdP regelt und oft auch Ideen sowie Impulse auf die Gesellschaft außerhalb des Bundes wirken.

Wir wollen uns für die Gesellschaft einsetzen, in der wir leben und sie besser hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben. Das kann auch bedeuten, dass man mal eine BdP-Gruppe auf einer Demo ist. Ob das dann aber in Kluft geschieht, ist eine Frage des Versammlungsrechtes, das Auftritte in Uniform eigentlich verbietet. 

 

Foto: Charo Frensch

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