NEUE BRIEFE

Und auf einmal hieß ich Tarzan

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Stitch, Mampf, Gockel,Sunny, Namensschilder, die wirklich nötig sind und beste Freund*innen, deren Vornamen man nicht kennt…

Das Taufen auf einen neuen Namen ist im BdP seit den Anfängen ein fester ein fester Bestandteilt unserer Pfadikultur. Im Vergleich zu anderen Verbänden ist das, ebenso wie unsere Kothen, ein auffälliges Alleinstellungsmermal der blaugelben in Deutschland.

 

Doch woher kommt diese Tradition eigentlich und wie macht man sowas?

Auf die Frage, woher das Taufen auf Spitznamen kommt, konnte ich nur gefährliches Halbwissen zusammentragen. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden Jugend- und Pfadfindergruppen dazu gedrängt, der Hitlerjugend mit ihren Methoden und der dahinterstehenden Ideologie beizutreten. Natürlich gab es Gruppen, die ihre Traditionen und Werte beibehalten wollten. Dies wurde immer schwieriger, als Instrumente und Lieder, die

nicht dem nationalsozialistischen Bild entsprachen, unter hohe Strafen gestellt wurden. Organisationen wurden aufgelöst oder verboten. Um ihre Mitglieder vor Verfolgung zu schützen und um Strafen zu entgehen, gaben sich die Betroffenen Spitznamen.

 

Ich finde, dass durch die vielen verschiedenen Namen, denen so gut wie immer eine Hintergundgeschichte und Bedeutung zugeschrieben ist, der BdP viel bunter und lebhafter wirkt. Einen Pfadfinder*innennamen zu bekommen ist für die meisten Wölflinge und jungen Pfadfinder*innen ein großes Ereignis, auf welches man sich schon lange vorher voller Spannung freut. Für die Gruppenleitung ist es jedoch ein nicht weniger aufregendes Erlebnis. Welcher Name passt zum Kind für die nächsten 10 Jahre oder gar noch länger und wie zelebrieren wir die Taufe am besten?

Die meisten Geschichten zum Pfadfinder*innennamen lassen sich häufig auf eine besonders in Erinnerung bleibende Aktion der Person, gleiche Charaktereigenschaften mit Filmfiguren, oder Abkürzungen zurückführen. Der Name kann allerdings Fluch und Segen zugleich sein. Wenn ihr auch Lust hab, eure Taufkultur etwas aufzupäppeln, sind hier einige Tipps und Geschichten rund um Pfadinamen:

  • Der Name sollte nicht auf negative Eigenschaften der Person bezogen, beispielweise kann der Name Labertasche sich nach ein paar Jahren oder beim Erzählen der Gründe für den Namen eher negativ anfühlen.
  • Eine Taufe führt man am besten durch, wenn viele (Stammes-)Mitglieder anwesend sind, da es für die Betroffenen eine wichtige Aktion ist.
  • Es ist hilfreich, Namensschilder zu haben (am besten zum Namen passend gestaltet). Neue Namen merken ist schwer, gerade wenn man eine Person schon länger kennt. Bei der Taufe direkt ein Namensschild zu übergeben, hilft allen, den neuen Namen zu nutzen und zu verinnerlichen.
  • Versucht Namensdoppelungen zu vermeiden. Vielfalt kommt nicht von ungefähr. Besprecht euch vorher im Stamm, ob jemand weiß, ob der Name schon genutzt wird.
  • Lasst die Möglichkeit bestehen, den Namen abzulehnen! Nichts ist schlimmer als einen Namen zu haben, den man selbst nicht mag.
  • Ein Pfadiname schafft Zugehörigkeitsgefühl, Bindung an das Leben als Pfadfinder*in, ggf. Hilfe bei der Identitätsfindung.

Hover (Stamm Erdenburg, LV NRW)

Mein Name ist aus dem Englischen abgeleitet und bedeutet soviel wie schweben oder fliegen. Da ich schon immer etwas verpeilt war, wurde ich auf diesen Namen getauft.

Skipper(Stamm Nordlicht LV NRW)

Der Name Skipper kommt von den Pinguinen aus Madagaskar. Skipper ist der Anführer der Pinguingruppe.Er bewahrt stets einen kühlen Kopf, trifft alle taktischen Entscheidungen und gibt die Befehle. Unter seiner Führung darf niemand zurück gelassen werden. Skipper ist auch die Anlaufstelle für die anderen Tiere, wenn sie Hilfe von den Pinguinen benötigen. Wer den Pinguinen einen Auftrag erteilt, kann davon ausgehen, dass Skipper die Pinguine dann auch bis zum Ziel ermuntert und nicht aufgibt, sodass jeder Auftrag erfüllt wird. Außerdem liebt es Skipper, den Kaffee der Menschen zu trinken. Sein Name leitet sich von „Schipper“ ab (niederdeutsch für Schiffsherr), womit ein Boots- bzw. Schiffsführer gemeint ist. Da ich auch immer die Zügel in die Hand nehme und für den Stamm da bin, fand meine Stammesführung, dass der Name Skipper super zu mir passt. Daher haben sie mich am 13.07.2019 beim Freibadfest auf den Namen Skipper getauft.

 

Rafael Kaiser (Tarzan), Stamm Weiße Rose, Dortmund, LV NRW

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Was denkst du?

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    duden

    Schön geschriebener Artikel, doch ich muss eine sache korrigieren:

    Woher hast du diese information über die Historie Tarzan?
    Ich habe lange auch wissenschaftlich geforscht über den Ursprung der Spitznamen.
    Fakt ist das Fahrtennamen (oder Spitznamen, wie wir sie heute nennen) kurz vor dem 3. Reich bereits auftauchen und nicht erst zur Verfolgung der „Organisationen Bündischer Umtriebe“ (wie Pfadifnder und Wandervögel u.ä. im „Reichsschlußbericht der Bündischen Jugend“ von 1942 genannt wurden). Erstmals finden wir Fahrtennamen in der DJ 1.11 unter Tusk ab 1929. Um 1932 tauchen immer öfter Fahrtennamen in dj 1.11. nahen Gruppen der Jugendbewegten Szene auf, so verwendet der Tahoering z.B. ebenfalls ab dann flächendeckens Fahrtennamen, in der Zeit des 3 Reiches, sind es oft nur die autnomen Gruppen, welche der dj 1.11 nahe sind, welche im widerstand übrigbleiben, oft sind es dann Pfadfinder, welche sich diesen Gruppen auch anschließen und daher zu Fahrtennamen kommen.
    Über die Querverbidnung, woher tusk wohl die idee haben mag, habe ich lange gesucht, da tusk niergends niederschrieb, wie er auf die Idee der Fahrtennamen kam.
    schließlich wurde ich im geheimen Preußischen Hauptsaatsarchiv in Berlin unerwartet fündig, was mich zu folgendem Schluß bringt:
    Tusks Vater war in der Orangiastion der Schlaraffen, wo wir über die dort liegenden Unterlagen nachweisen konnten, das er zu den Treffen wohl auch seinen Sohn (Eberhard Köbel) regelmäßig mit genommen hat. die Schlaraffen haben sich in der Zeit (mitte/Ende 19.Jh.) von den deutschen Freimaurerlogen abgespalten als deren Verfolgung durch die katholische Kirche begann. Um der Verfolung zu entgehen gaben sich die Schlaraffen „Decknamen“ wie sie sie nannten.
    Tusk spricht am Anfang auch von Decknamen und ab Ende 1929 bei seinen Jugendlichen erst von Fahrtennamen.
    Es könnte daher die vermutung nahe liegen, dass er sich hier von der Organisation seines Vaters hat inspirieren lassen.

    übrigens: tusk schrib die Fahrtennamen klein, damit Eingeweihte sie von den Klarnamen unterscheiden können.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Fahrtennamen kommen nciht aus der Zeit des 3 Reichs, sondern 1929 aus der dj 1.11. , fanden aber in der zeit des 3. reichs größere Verbreitung.

    gut Pfad
    duden

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