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NEUE BRIEFE

Wachstum heißt Stämme stärken

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Arno Schäfer und Christoph „Chisum“ Weber (Stamm der Piraten, LV RPS) sind die Sprecher des AK Wachstum. Hier stehen sie Rede und Antwort zum Thema Wachstum im BdP.

War 2020 ein gutes Jahr für das Thema Wachstum im BdP?

Arno: Ja und nein. Vor einem halben Jahr hat sich der Arbeitskreis Wachstum neu aufgestellt. Wir haben uns viel vorgenommen. Aber natürlich hat die Pandemie viele unserer Pläne über den Haufen geschmissen. Andererseits haben wir gerade ein tolles und gut besuchtes digitales Treffen mit den LBs für Stämme und Wachstum gehabt, das uns extrem motiviert. Die LBs sind genauso heiß auf das Thema wir wir!

Kann man schon sagen, wie sich die Pandemie auf die Entwicklung unserer Stämme auswirkt?

Chisum: Zunächst einmal muss denen mal ein ganz großes Kompliment gemacht werden. Was sich unsere Meuten–, Sippen- und Stammesführungen im BdP alles ausgedacht haben, um den Laden zusammenzuhalten und für ihre Kids da zu sein: das ist ganz großartig und darauf können wir richtig stolz sein!

Arno: Andererseits waren den Stämmen natürlich die Hände gebunden. Wir haben in diesem Jahr im BdP weniger Neueintritte als normal. Die Gründung einer neuen Meute ist z.B. vielerorts einfach ausgefallen. Wir befürchten auch, dass Stämme mit dünner Personaldecke gerade besonders gefährdet sind, weil ihnen in den LVs der übliche Support fehlt. So hat es ja z.B. kaum Kurse gegeben.

Wie will der AK Wachstum da reagieren?

Arno: Unser Ziel ist es jetzt, dass wir mit Schwung aus der Krise kommen. Dazu wollen wir vor allem den Stammeskompass nutzen. Der ist gerade jetzt einfach das ideale Werkzeug um unsere Stämme zu stärken. Deshalb wollen wir unsere Support-Strukturen so ausbauen, dass wirklich alle Stämme schnell und unkompliziert ein kompetentes Moderationsteam aus ihrem LV buchen können. Dieses coacht sie dann bei der Arbeit mit dem Stammeskompass. Dieses Ziel wird inzwischen von fast allen LVs geteilt.

Und der Stammeskompass löst dann alle Probleme?

Chisum: Der Stammeskompass ermutigt unsere Stämme zu einer ehrlichen Selbstanalyse. Probleme werden erkannt und klar benannt. Dann folgt die Formulierung von Zielen zur Behebung der Missstände, die schon extrem motivierend ist. Die gemeinsame Entwicklung von Maßnahmen zeigt dann schließlich, wie man den Kahn ganz konkret wieder flott bekommt. Ich kenne keinen Stamm, der nicht mit einer Riesenportion Motivation aus so einem Treffen herausgegangen wäre.

Arno: Entscheidend für den Erfolg ist aber, dass ein externes Moderationsteam den Stammesrat dabei coacht. Der Blick von außen bringt erst die neuen Einblicke. Daher müssen wir ja jetzt bei der Ausbildung der Moderationsteams ansetzen.

Aber das ist ja keine Wachstumsstrategie.

Chisum: Ganz im Gegenteil, es ist sogar die beste. Der schnellste Weg zum Wachstum ist es, die vorhandenen Stämme größer zu machen. Hier besteht großer Handlungsbedarf. Viele Stämme im BdP waren schon vor Corona so klein, dass sie auf der Kippe standen. Das hat sich durch die Pandemie sicher nicht verbessert. Wir wissen, dass sich durch die Arbeit mit dem Stammeskompass sich fast jeder Stamm retten und vergrößern lässt. Und wenn unsere Stämme wachsen, wächst auch der BdP.

Arno: Wir streben für alle Stämme im BdP eine Mitgliederzahl von mindestens 70 aktiven Mitgliedern an, weil sie erst dann wirklich stabil sind. Davon sind wir im Bundesdurchschnitt noch weit entfernt. Das heißt: unser Wachstumspotential ist enorm. Wenn wir den Stammeskompass konsequent umsetzen, wird das definitiv zu Wachstum führen.

Wie seht ihr dabei die Rolle der Landesverbände?

Arno: Ohne die geht natürlich gar nichts. Den Stammesplan zu pushen steht aber zum Glück inzwischen in fast allen LVs ziemlich oben auf der Agenda. Denn immer mehr Landesvorstände erkennen, dass die zentrale Aufgabe der Landesverbandsarbeit die Stabilisierung unserer Stämme ist. Außerdem ist Wachstum aber auch eine extrem intelligente Gesamtstrategie für den LV. Denn Wachstum führt alle Handlungsfelder der Landesarbeit zu einem gemeinsamen, motivierenden und sinnstiftenden Ziel zusammen.

Muss man nicht vor allem neue Stämme gründen, um als Bund zu wachsen?

Chisum: Natürlich wollen wir auch neue Stämme gründen. Aber unsere Erfahrung zeigt, dass es viel leichter ist, Stämme zu retten als Stämme zu gründen. Wenn man einen alten Eimer füllen will, muss man erst mal die Löcher stopfen. Damit fangen wir an.

Was muss sich im BdP denn noch ändern, damit wir wachsen?

Arno: Die ganze Denkweise zum Thema Wachstum. Wir müssen uns als lebendigen und attraktiven Bund begreifen, der selbstbewusst sagt: „ Wir haben Bock auf Wachstum, weil wir viel zu gut sind, um länger als kleine, verlorene Schar vor uns hin zu dümpeln“.

Chisum: Und dieses neue Selbstbewusstsein muss sich dann in S.M.A.R.T.en Zielen manifestieren. Gerade erarbeiten wir im Auftrag des Bund-Land-Treffens an einer entsprechenden Zielformulierung, die wir auf der nächsten BV diskutieren und hoffentlich beschließen können. Also etwa: „Der BdP hat bis 2025 in allen Bundesländern zehn Stämme und mindestens 600 Mitglieder“. Oder: „Der BdP verdoppelt bis seine Mitgliederzahl bis 2030“.

Das klingt jetzt tatsächlich ehrgeizig. Oder auch absurd unrealistisch. Wirkt ein so großes Ziel nicht eher abschreckend?

Chisum: Es war auch mal eine absurd unrealistische Vorstellung, dass Menschen auf den Mond fliegen. Große Ziele motivieren uns, unsere Komfortzone zu verlassen. Sie geben sie unserem Handeln eine Richtung. Sie fordern uns heraus, Wege zu suchen, die wir ansonsten gar nicht sehen würden. Der LV Sachsen hat in gerade mal vier Jahren seine Mitgliederzahl verdoppelt. Warum? Weil er sich genau das zum Ziel gesetzt hat. Mir fällt kein Grund ein, warum es uns nicht gelingen sollte, in den nächsten zehn bis zwölf Jahren die Mitgliederzahl des BdP zu verdoppeln, wenn wir das ernsthaft wollen und uns als Bund zusammen auf den Weg machen.

Der BdP hat sich doch schon seit Jahren Wachstum zum Ziel gesetzt. Viel geändert hat sich nicht.

Arno: Das war aber mehr ein Wunsch als ein Ziel. Denn was gefehlt hat, war eine Strategie mit einem konkreten Zeitplan, mit handfesten Maßnahmen und messbaren Zwischenzielen. Man muss große Ziele runterbrechen. Dann werden sie erreichbar.

Chisum: Stellen wir uns vor, der BdP wollte in den nächsten zwei Jahren um zwanzig Prozent wachsen. Klingt das erst mal ambitioniert. Was wäre aber dafür konkret nötig? Ein Stamm mit fünfzig Mitgliedern müsste in zwei Jahren zehn neue Mitglieder werben. Klingt machbar, oder?

Glaubt ihr ernsthaft, dass der BdP sich verdoppeln kann, wenn er nur aus dem Bestand wachsen will?

Chisum: Nein. Wir werden uns natürlich auch mit dem Thema Neugründungen und mit der Erschließung neuer Zielgruppen befassen. Das sollten wir aber sowieso. Denn obwohl wir uns im BdP oft als besonders divers und offen feiern, sind wir doch ein ganz schön homogener bio-deutscher, west-deutscher und gymnasialer Verein. Pfadfinden ist aber eine Idee, die allen Kindern und Jugendlichen gehört. Deshalb müssen wir uns in viele Richtungen öffnen. Aber ganz klar: zuerst wollen wir mit aller Kraft unsere aktuellen Stämme unterstützen, damit sie nach der Pandemie wieder voll durchstarten können.

Wie wollt ihr mehr Leute für Wachstum begeistern?

Arno: Wir wollen das Thema weiter auf allen Kanälen bespielen. Auf Instagram kann man uns unter #wachstum_bdp folgen. Zuletzt haben wir unseren Wachstums-Podcast „Butter bei die Fische“ gestartet, in dem wir schon mit vielen spannenden Gästen über das Thema geredet haben. Reinhören lohnt sich!

 

Foto: Paavo Blofield

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