Pfadfinder

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Was bewegt dich in deinem Pfadileben momentan am meisten? Welches Thema müsste deiner Meinung mal ordentlich beleuchtet werden? Hier ist der richtige Ort, um zu diskutieren – also ran an die Tasten und vielleicht rein ins nächste Heft!

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  • Gerd Röpke
    Gerd Röpke

    Pfadfinderei nur angewandte Erlebnispädagogik?

    Unlängst diskutierte ich mit einem Pfadfinder-Freund den ideologischen Hintergrund der Pfadfinderei. Es ging um Werte und Haltungen in der heutigen pfadfinderischen Erziehung. Wir kamen auf dieses Thema durch den Versuch, den Begriff Pfadfinder zu definieren; oder genauer gesagt herauszufinden, was uns Pfadfindern gemeinsam ist. Mein Freund versuchte es etwa so: „Pfadfinder sind viel unterwegs in freier Natur, lernen das einfache Leben in der Gruppe, im Zeltlager und gehören zu einer großen internationalen Gemeinschaft…“ – „Ok“ sage ich „und warum das alles?“ – „Na ja, sie sollen eben als Kinder und Jugendliche viel Spaß haben und Sachen erleben, die Gleichaltrigen sonst nicht geboten werden.“…

    Dieser Dialog entwickelte sich schließlich zu einer mehr oder weniger komplizierten Auflistung von pfadfinderischen Aktivitäten und ihrem Sinn und Zweck für die Persönlichkeitsentwicklung usw. usw. Die Antwort auf die Frage, was denn nun aber die Pfadfinderei oder den Pfadfinder besonders auszeichnet, ihn von Mitgliedern anderer Jugendverbände unterscheidet oder ihn für sein späteres Leben prägt, ist ohne Vorkenntnisse oder Erfahrungen hier kaum in ein paar Sätzen wiederzugeben. Kurz streift mich der Gedanke, die pädagogische Konzeption unseres Bundes zu zitieren. Aber auch hier finden sich zum Teil nur idealisierte, pädagogische Grundbegriffe und Tatsachen aus der Erlebnispädagogik, die so oder ähnlich auf x-beliebige Jugendverbände anwendbar wären. Können wir also spezifische pfadfinderische Werte und Haltungen nicht in Worte fassen? Finden wir keine einfachen Worte für die Beschreibung eines Pfadfinders, die auch von heutigen Jugendlichen verstanden werden?

    Baden Powell bringt es in seinem Standartwerk „Pfadfinder“ in der Einleitung auf den Punkt:
    „Die pfadfinderische Erziehungsmethode geht davon aus, dass man vor allem die jugendliche Gedankenwelt sorgfältig studiert. Dies ermöglicht dann auch, beim Knaben (heute natürlich auch beim Mädchen – Anm. von mir) den Wunsch zu wecken, sich selbst zu erziehen, statt sich von anderen erziehen zu lassen.“ In den Worten aus der Zeit um 1907 und geprägt von den Zuständen im damaligen England kommt BP zu folgendem Schluss: „Vom Standpunkt der Eltern aus betrachtet, verhilft die Pfadfindertätigkeit den Knaben zu körperlicher Gesundheit, physischer Ertüchtigung, Tatkraft, Erfindergabe und Handfertigkeit; sie bringt Zucht, Angriffigkeit, Ritterlichkeit und Heimatliebe in die Buben, kurz sie bildet „Charakter“, was wichtiger ist als alles andere, wenn man seinen Weg machen will.“

    Sehen wir einmal ab von der Wortwahl, die für uns heute zum Teil einen negativen Klang hat, so bleibt doch die Intention, durch praktisches Tun Werte zu vermitteln, die dem späteren Erwachsenen zu Gute kommen sollen. Diese Werte gilt es heute mehr denn je zu benennen, zusammenzufassen und schließlich als pfadfinderische Grundhaltung darzustellen. Der „Charakter“ von dem BP spricht sollte auch für „Außenstehende“ erkennbar sein.

    Woran sollten wir also einen Pfadfinder erkennen? – Ich denke, an seiner Brüder-/Schwesterlichkeit (Treue), seiner Aufgeschlossenheit der Natur aber auch allem Neuen gegenüber, seiner Zuverlässigkeit, seiner Menschenliebe und seinem in jeder Hinsicht verantwortungsbewussten Handeln. Es kann versucht werden, diese hohen Ziele der Persönlichkeitsbildung mit unseren pfadfinderischen Methoden zu erreichen, oder wie BP es ausdrückt: wir können den Wunsch wecken, sich selbst zu erziehen. Die bloße Tatsache, dass wir bei den Pfadfindern mittun ist aber wohl keine Garantie für gute Charakterbildung. Sind wir uns einig über die pfadfinderischen Werte, bleibt der Streit über die Methoden sie zu erreichen. Mein Freund hatte ja schon einiges genannt; doch ich denke, wir sind gefordert immer wieder zu fragen, wie unsere Aktivitäten zu unseren Werten passen. Dann haben wir die Chance, uns ein ganzes Leben lang selbst zu erziehen… und vielleicht sagt mal eines Tages jemand zu Dir: „Du bist Pfadfinder, das merkt man doch…“.

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