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Pfadfinder

Wie erreiche ich dich? – Sozialer Ausschluss durch „soziale“ Netzwerke

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LV Hessen-Schau
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#Zusammenhalt

Die ersten ernstzunehmenden Kontakte mit s.g. sozialen Netzwerken gab es für viele wohl mit StudiVZ (später auch MeinVZ und SchülerVZ). Bei mir begann es im Studium. Ich bekam mit, dass sich die anderen Studenten über StudiVZ austauschten, Informationen weitergaben usw., sprich: ohne Account bei diesem Dienst bekam man einiges nicht mit und war somit benachteiligt. Eigentlich hielt ich damals nicht viel von diesen Netzwerken – trotzdem meldete ich mich an. Nach einiger Zeit benutzte ich das Netzwerk aktiv, um neuen Studenten weiterzuhelfen und den Einstieg bei uns einfacher zu gestalten. Eigentlich also eine sehr sinnvolle Sache, so ein soziales Netz, oder?

Aber bedenken wir dabei die Personen, die nicht angemeldet sind? Das ist doch wohl sehr fraglich.

Nach einiger Zeit flachte der StudiVZ-Hype merklich ab – es gab immer weniger Informationen und auch weniger neue Studenten – somit war ich dann auch „raus“. Woher kommt dieser Effekt? – Klar, durch soziale Netzwerke – in diesem Fall Facebook. Plötzlich erfreute sich Facebook immer größerer Beliebtheit, ich war lange nicht dabei – ich dachte mir, diese „Datenkrake“ muss man nicht unbedingt unterstützen. Was war der Preis? Weniger Informationen.

Als mein Vater dann einige Zeit im Ausland für seine Firma unterwegs war – und seinen Kollegen über Facebook Neuigkeiten und Bilder teilte – war ich dann auch so weit: „Na gut, anmelden um mal mitlesen zu können!“.

Ähnliches zeigte sich auch im Pfadfinderkontext: Als ich zum Stamm gekommen bin, gab es für alle Einladungen einen Aushang und Zettel, die ausgeteilt wurden – wie auch sonst, nicht viele waren per E-Mail zu erreichen. Als das Internet und damit die Mail-Adressen verbreiteter wurden, gab es eine Art Parallel-Betrieb: Einladungen per Zettel und per Mail oder auf dem Webauftritt. Irgendwann flachten Zettel, die ungefragt ausgeteilt wurden, immer mehr ab – jeder war per Mail zu erreichen. Das funktionierte auch ganz gut – soweit jeder seine Mails gelesen hat. Alles Organisatorische wie Terminabsprachen, Stand von Planungen etc. wurde über Mail-Verteiler erledigt. Als dann der Facebook-Boom begann, verlagerten sich solche Absprachen immer mehr auf den Facebook-Chat… Nur wer hier in der Gruppe Mitglied war, hatte eine reelle Chance, auf dem Laufenden zu bleiben, wenn er mitplanen wollte. Oft stellte sich die Frage „Habt ihr eigentlich auch an die Personen ohne Facebook gedacht?“ – das war zu Anfang häufig noch der Fall, wurde aber auch immer mehr vergessen.

Mittlerweile kann man sagen, dass fast jeder über einen Internetzugang verfügt, daher besteht erstmal keine technische Hürde mehr – dennoch binden wir uns an einen Dienst, bei dem nicht jeder angemeldet ist und sein möchte.

Fast schlagartig wurden die Chats in Facebook weniger – was ist da los? Keine Anrufe? Keine Mail? Kein Facebook-Chat?

Ihr könnt es euch sicher denken – die Zeit der Smartphones, und hier vor allem „Whatsapp“, begann.

Spätestens hier betreten wir, nach meiner Einschätzung, einen auch noch heute sehr kritischen Bereich, in dem einige von der Mitarbeit und Information ausgeschlossen werden.

Alles wird über Whatsapp geteilt und besprochen – vieles geht dabei im „Vorbeirauschen“ unter – und keiner denkt auch nur daran, dass irgendjemand nicht wissen könnte, was gerade hier besprochen wurde.

Ich gehörte bis vor kurzem zu den strikten Smartphone-Verweigeren… Erreichbar war ich: per Handy und SMS und zu Hause oder irgendwo am Laptop mit WLAN dann auch per Facebook-Chat und E-Mail… wenn also etwas Wichtiges war, hoffte ich es mitzubekommen. Ob ich alles Wichtige mitbekommen habe – ich weiß es nicht – ich bezweifle es.

Ich arbeite selbst im IT-Bereich und bin starker Nutzer von „modernen Medien“, trotzdem möchte ich hier an dieser Stelle daran appellieren, keinen digitalen Ausschluss zu betreiben – gerade im Pfadfinderkontext.

Digitale Kommunikation ist nicht mehr wegzudenken, doch bitte nutzt mehrere Kanäle und schaut einmal selbst, ob ihr jeden erreicht. Gerade stark technik-gebundene Kanäle (wie Whatsapp, da man hier ja leider nur als Smartphone-Nutzer teilnehmen darf), sind kritisch zu hinterfragen.

Und auf Lagern oder Fahrten muss man nicht immer erreichbar sein – schenkt euch selbst ein wenig Ruhe und „Einsamkeit“.

Ein Beitrag von LOK (Stamm Roter Milan). Erstmals erschienen in der LV-Hessen-Schau 16/1.

Bild von Elias (Stamm Graue Bären)

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