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R/Rs

Klares Bekenntnis gegen Rassismus

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Peter Krietemeyer
Stamm Goten, Kaiserslautern
LV Rheinland-Pfalz/Saar

Auch Pfadfinderinnen und Pfadfinder erheben in Kaiserslautern ihre Stimme

Am letzten Samstag im Februar hatte das Bündnis „Kaiserslautern gegen Rechts“ zu einer Demonstration aufgerufen. Grund hierfür war eine geplante Kundgebung des „Nationalen Widerstandes Zweibrücken“ auf dessen alljährlicher „Fahrt der Erinnerung“, welche auch in Kaiserslautern Station machen wollte.

Gemeinsam mit 300 bis 400 (so die Polizei) Bürger*innen, Vertretungen von Jugendverbänden, Parteien, dem Jugendparlament der Stadt und demokratischen Organisationen begleiteten auch Ranger und Rover der Stämme „Kurpfalz Ramstein“ und „Goten Kaiserslautern“ die Gegendemonstration.

Gegendemonstration vor der Stiftskirche

Unter dem Motto „Kaiserslautern stellt sich Quer“ wollten wir die rassistische Propaganda und geschichtsrevisionistische Veranstaltung nicht unwidersprochen gewähren lassen. So trafen sich Constanze, Jonathan, Sepa, Hotte, Erik, Felix und Charly vor der Stiftskirche Kaiserslautern zur Gegendemonstration.

Auf der von Pfarrer Detlev Besier moderierten Veranstaltung setzte die Vorsitzende des Jugendparlaments Kaiserslautern Lena Dowidat ein klares Zeichen gegen Faschismus in unserer Gesellschaft. „Es ist an der Zeit“, so Lena, „dass nicht nur linke Aktivisten auf die Straße gehen, sondern dass die breite Masse der Bevölkerung laut wird und sagt: Wir wollen euch nicht – wir wollen keinen Rassismus“.

„Wenn so genannte Alternativen akzeptiert werden und große Volksparteien es verpassen, sich klar gegen Rechts abzugrenzen“, so die Vorsitzende des Jugendparlaments weiter, „wenn Hass und Terror zum Morden werde und sich niemand mehr dagegen wehre, dann laufen wir Gefahr, dass sich die Geschichte wiederholt“.

Lena ist Schülerin des St.-Franziskus-Gymnasiums und -Realschule in Kaiserslautern, welches auch gleichzeitig eine von vielen anerkannten „Schulen ohne Rassismus – Schule mit Courage“ der Stadt ist.

In Anschluss gab es noch Redebeiträge von Vertretungen des DGB und den Parteien „Die Linke“ und „SPD“.

Dass Demonstrant*innen sehr kreativ sein können, beweist das nachfolgende Transparent:

Das kreative Transparent einer Demonstrantin

Nach der Kundgebung begaben sich die Demonstrant*innen auf den Stiftsplatz, wo 15 Personen des „Nationalen Widerstandes Zweibrücken“ ihre Kundgebung abhielten. Bei starkem Regen und lautstarker Gegenwehr der demokratischen Kräfte war von dem ewig gestrigen Gefasel der Zweibrücker nichts zu hören.

Das Häuflein der Rechten bei ihrer Kundgebung

Erfreulich war für uns, dass sich so viele Jugendliche an der Gegendemonstration beteiligten und dass alles friedlich zuging. Nach 30 Minuten packten die „Nationalen Widerständler“ ihre Lautsprecheranlage wieder ein und verschwanden unter anhaltendem Pfeifkonzert.

In bleibender Erinnerung ist uns auch ein Gespräch mit einer älteren Dame, die trotz Dauerregens mit ihrem Rollator in der ersten Reihe von uns Gegendemonstranten ausgehalten hat. Sie hatte den Nationalsozialismus leider noch am eigenen Körper erfahren. „So was darf nie wieder passieren“, so ihr Kommentar. Ihre Worte und der Anblick, wie diese Frau stundenlang im Regen ausgeharrt hat, wirken immer noch nach.

Deshalb sind auch wir Pfadfinder*innen gefordert. Wie heißt es doch im Beschluss unserer 43. Bundesversammlung vom 27.05.2016 in Immenhausen:

„Der BdP ist ein interkonfessioneller Verband. Das bedeutet für uns, dass der Verband bezüglich Religion und Weltanschauung unabhängig und neutral ist. Im BdP heißen wir alle Menschen unabhängig von ihrem Glauben, ihrer Religion und ihrer spirituellen Weltanschauung willkommen.

Als Jugendverband, der sich mit den Prinzipien der Pfadfinderbewegung zu Toleranz und Inklusion bekennt, schaffen wir im Rahmen unserer Arbeit Möglichkeiten, die unsere Mitglieder anregen, sich mit verschiedenen Weltansichten auseinanderzusetzen, voneinander zu lernen und zu einem Verständnis und respektvollen Zusammenleben beizutragen.

Der BdP ist ein wertebasierter Jugendverband, dessen Mitglieder als verantwortliche Bürgerinnen und Bürger eine demokratische, weltoffene Gesellschaft mitgestalten und mittragen möchten. Im Sinne des ganzheitlichen Anspruchs fördert der BdP daher laut seiner pädagogischen Konzeption neben den körperlichen, geistigen, sozialen und emotionalen Kompetenzen auch die spirituelle Weiterentwicklung seiner Mitglieder: Er unterstützt junge Menschen durch pfadfinderische Methoden, ihre Beziehung zu sich selbst, zur Gemeinschaft und zur Welt zu reflektieren und ihren Platz darin zu finden.

Beim Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder e.V. (BdP) und allen seinen Untergliederungen ist jeder Mensch willkommen. Vor allem auch junge Menschen mit Migrationshintergrund und solche, die sich auf der Flucht vor unter anderem Krieg, Verfolgung, Unterdrückung, Naturkatastrophen oder wirtschaftlicher Perspektivlosigkeit befinden, begrüßen wir in unseren Gruppenstunden, auf unseren Lagern und Fahrten und auf allen sonstigen Aktionen. Ausdrücklich möchten wir junge Menschen mit Migrationshintergrund nicht nur willkommen heißen, sondern auf sie zugehen, um Begegnungen auf Augenhöhe zu ermöglichen und voneinander zu lernen.

Wir begrüßen die große Welle der Solidarität und Unterstützung in der Gesellschaft und wollen unseren Beitrag zu Frieden und Toleranz leisten. Gleichzeitig treten wir ausländerfeindlichen Protesten und Stimmungsmache gegen Menschen, die Schutz bei uns suchen, entschieden entgegen. Als Pfadfinder*innen verurteilen wir alle rassistischen und nationalistischen Parolen und Handlungen scharf.

Wir dulden in unseren Reihen keine Form von Ausgrenzung, Diskriminierung und Hass gegenüber anderen Menschen, unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer körperlichen oder geistigen Fähigkeiten, ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihrem sozialen Status oder ihrem Aufenthaltsstatus.“

Dessen sollten wir uns alle bewusst sein und dort, wo es notwendig ist, auch unsere Stimme erheben!

Gut Pfad und seid wach

Charly

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