Warum fallen Veranstaltungen aus? Lösen wir nur Scheinprobleme?
R/Rs

Lars’ Zettelkasten

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Stamm Ata Ulf, Hannover
LV Niedersachsen

Hallo zusammen! Einige von euch kennen mich vielleicht: Ich heiße Lars und komme aus dem Landesverband Niedersachsen. In letzter Zeit beschäftige ich mich ziemlich viel damit, über den BdP, meinen Landesverband und Organisationen im allgemeinen nachzudenken. Ich mache mir öfter Gedanken darüber, wie wir Dinge verbessern können. In Zukunft möchte ich meine Gedanken gerne mit euch teilen und auch diskutieren.

Ich breite meine Gedanken hier einfach nur aus – ich erhebe keinen Anspruch darauf, dass es stimmt. Es sind Hypothesen und diese können widerlegt werden.

Es ist ein erster Ansatz sich vielleicht mit unseren Strukturen und den Dingen die im BdP passieren, sich auf einer etwas theoretischeren Ebene zu beschäftigen – und dann auch daraus Handlungen abzuleiten und Dinge in Experimenten zu testen.

Da ich aus dem Landesverband Niedersachsen komme, kann ich nicht wissen, ob es in anderen Landesverbänden auch so aussieht – ich kann es mir jedoch gut vorstellen. Heute: Warum fallen immer öfter Veranstaltungen bei uns im LV Nds aus?

Warum fallen immer wieder Veranstaltungen aus?

Seit einiger Zeit beobachten wir in meinem LV, dass immer öfter Veranstaltungen ausfallen auf Grund von TeilnehmerInnenmangel. Auch Kursteams tun sich schwerer. Warum ist das so? Warum gehen Menschen zu Veranstaltungen? Ich glaube aus drei Gründen:

  1. Weil sie ein Problem lösen
  2. Weil sie unglaublich viel Spaß machen (und somit vielleicht tiefgründig auch ein Problem lösen? Interessante Frage…)
  3. Weil nicht alle von der Veranstaltung erfahren
  4. [Update] Termine mit höherer Priorität finden parallel statt

Warum fallen also Veranstaltungen aus?

Zu 1. – Weil wir oft nur Scheinprobleme lösen. Und das merken die TeilnehmerInnen, bzw. die pot. TN. Der Stammesführer merkt eben, dass die Veranstaltung ihm keinen Mehrwert bietet. Was ergibt sich also daraus? Ich frage mich, ob die Ausrichtung des LVs (im Moment aus meiner Sicht sehr stark inhaltlich, zumindest die Wochenendveranstaltungen) optimal ist. Vielleicht muss der LV noch stärker eine Unterstützungs-, Beratungs- und Qualifizierungsfunktion einnehmen? Mir ist durchaus klar, dass das ein Problem darstellt, da der LV möglichst viele WE-Veranstaltungen durchführen muss. Ich habe dazu noch keine Idee.

Könnte man alle inhaltlichen Veranstaltungen durch Qualifizierungsangebote ersetzen?

Wie kann man herausfinden, ob die Hypothese stimmt? Interviews? Problem: Meistens wissen die Leute nicht, was sie wollen.

Zu 2. – Diese Motivation kann man meistens nur vermitteln, wenn man schon mal an der Veranstaltung teilgenommen hat (oder durch jemanden mitgenommen wird, der teilgenommen hat). Das führt uns auch zu 3.

Ist es wirklich nur Spaß, der die Leute motiviert? Oder lösen wir eigentlich auch ein Problem und nehmen es nur nicht direkt wahr?

Zu 3. – Obwohl es noch nie gemessen wurde (werde qualitativ noch quantitativ), glaube ich, dass wir nur einen Bruchteil unserer Mitglieder aktiv erreichen. Die Öffnungsrate des letzen Stammesversands betrug 60% bei einer extrem hohen spezifischen Zielgruppe (also müsste die Rate bei 95% liegen!). Im Bereich der Kommunikation ist unsere Organisation sehr traditionell (Amber/Bernstein) und modern (Orange) geprägt (mehr zur Organisationsentwicklung von Frederic Laloux hier). Andere Teile des LVs sind sehr evolutionär (Teal/Petrol). Ich denke, wir sollten auch die Kommunikation dahin verändern und viel mehr auf vertrauen bauen und weniger auf Kontrolle. Aktuell finde ich lautet das Motto hier doch eher noch „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“.

Muss sämtliche Kommunikation wirklich ausschließlich über die Stammesführer laufen?

Was ist das Bedürfnis dahinter? Kann man dieses eventuell auch anders befriedigen?

Zu 4. – Wenn parallel zu dem Termin ein anderer Termin mit höherer Priorität stattfindet, z.B. Klausuren oder Tests, kann der Teilnehmer nicht teilnehmen. Das ist z.B. in NRW der Fall: Hier fallen auf die Herbstferien der Beginn von Ausbildungen oder Semesteranfänge.

Könnte man das abfedern in dem man ein breiteres Netzwerk an Teilnehmern und Teamern aufbaut?

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Was denkst du?

  • chisum

    Ich denke auf die schnelle, dass hier v.a. der Faktor Mensch und die gemeinsame Vision fehlen.

    zu 1: Spannende Führungspersönlichkeiten können auch andere begeistern. Sie reißen mit, man will dorthin, um sie zu erleben. Mindestens genauso wichtig sind die Freundschaften, die man pflegt, wenn man zu den Landestreffen fährt. Man will die anderen wiedersehen.

    Zu 2: wenn das Gefühl ist, dass es nur um Problemlösung geht, läuft schon was falsch. Dann ist der Blick immer nur auf das gerichtet, was schief läuft. Besser weil motivierender scheint mir eine gemeinsame Vision und gemeinsame Ziele, die alle Stämme gemeinsam entwickeln. Wer daran beteiligt wird (z.B. durch eine Zukunftswerkstatt) ist eher bereit, sich an der Umsetzung zu beteiligen. Dabei entsteht auch gerne ein sehr hilfreiches “Wir-Gefühl”.

    Soll nicht großkotzig klingen, aber bei uns in RPS ist seit Jahren keine Landesveranstaltung ausgefallen, die Beteiligung der Stämme liegt meistens bei über 90% und die Kurse sind pickepacke voll.

    • Lars Böhnke - ArtikelautorIn

      Ach quatsch, warum soll das großkotzig klingen?

      zu 1: Stimme ich zu. Wenn Menschen auf LV Veranstaltungen waren, ist die Chance, dass sie wieder zu einer fahren, sehr hoch. Die Frage die ich mir stelle: Wie schafft man die initiale Hürde, wenn Menschen zum ersten Mal auf eine LV Veranstaltung fahren bzw. wie schafft man das?

      zu 2: Habt ihr so etwas in eurem LV? Habt ihr so etwas aus einer Not heraus entwickelt? Und wie sieht das in der alltäglichen Arbeit aus? Und ja, auf Stärken konzentrieren ist immer besser als auf Schwächen – ich formuliere es mal um: Man muss das Gefühl haben, dass einen die Veranstaltung auch weiter bringt.

      Unsere Kurse haben auch immer eine volle TeilnehmerInnenanzahl, oft ist es eher schwer ein Team zusammen zu bekommen. Und klar, es gibt Veranstaltungen von unserer Pfadfinderstufe, die sind immer brechend voll und den Leuten muss abgesagt werden. Dennoch fallen auch immer öfter andere Veranstaltungen aus.

      Wie viele Mitglieder habt ihr im LV RPS?

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  • chisum

    also gut…

    zu 1: Wenn auf Landesveranstaltungen was los ist und die Leute das Gefühl haben dass sich ihr Kommen gelohnt hat, dann spricht sich sowas doch rum, oder? Wenn Stämme gar keinen Kontakt zum LV haben kann man sie ggf zu Hause abholen. Also sich mal in den Stammesrat einladen oder so und dann durch Motivationskunst und Begeisterungsfähigkeit punkten. Und die Leute davon überzeugen, dass wir sie für unsere gemeinsame Mission brauchen. Und: man muss als LV hartnäckig bleiben und darf sich nicht gleich entmutigen lassen. Steter Tropfen hölt den Stein. Es gibt bei uns aber auch keine Stämme, die mit dem LV nichts zu tun haben wollen. Auf unseren SSTs sind eigentlich immer 9 von 10 Stämmen vertreten.

    zu 2: ja, haben wir. Ursprünglich ist das aus einer Zukunftswerkstatt im Stafü-AK entstanden, als es dem LV recht mies ging. Dann haben sich alle mal kräftig ausgekotzt und im Anschluss erstrebenswerte, motivierende Ziele für den LV definiert. Dazu ein paar konkrete Aktionen geplant, die Laune machen, z.B. das erste LV-Segeln mit (fast) allen Stämmen. In den letzten Jahren haben wir darüber hinaus ein eigenes Leitbild für den LV RPS entwickelt, das wir auf dieser LV beschlossen haben und jetzt mit Leben füllen wollen.

    Erwähnenswert scheint mir auch, dass wir alle Kurse (SFT, KfS, KfS2, KfG und KfM) zeitgleich an Ostern durchführen. Gegen Teamermangel haben wir im letzten Jahr zum ersten mal ein Teamertraining ( 1 WE) durchgeführt, zu dem jeder ab 18 eingeladen ist. Dadurch hat man keinen Anspruch auf einen Teamplatz, kann aber sein grundsätzliches Interesse bekunden. Hat gut geklappt!

    Wir werden in diesem Jahr mit großer Wahrscheinlichkeit unseren historisch höchsten Mitgliederstand erreichen (so um die 1300) und sind als LV in den letzten 10 Jahren um ca. 1 Drittel gewachsen. Aber das ist eine andere Geschichte…

  • Lisato

    Wenn ich mir die vier Begründungen so durchlese, dann komme ich zu dem Schluss, dass bei mir alles zutrifft, aber aus einer anderen Intention heraus.

    Zunächst einmal haben wir im Stamm recht viele Termine, die zwar nicht unbedingt parallel stattfinden, aber trotzdem zeitraubend und anstrengend sein können (bei einem kleinen Stamm landen viele Aufgaben auf den Schultern weniger und bei dem Versuch den Stamm größer zu machen, fressen einem die vielen Werbeaktionen die Zeit auf).

    Wenn ich dann alle “Pflichttermine” absolviert habe, überlege ich mir auch, ob die Aktion im Land jetzt noch sein muss. Reiße ich mich aber zusammen und mache einfach mit, sind es immer diese “Bonustermine”, die mir dann Motivation für die nachfolgende Zeit geben.
    Ab und an bekommt man auch noch eine Idee für eine tolle Aktion mit, die vielleicht so nötig erscheint wie eine Pflicht, aber unheimlich Spaß macht. Außerdem bekommt man durch die Kommunikation mit Stammesexternen auch immer neue Denkanstöße für den eigenen Stamm.

    Mittlerweile findet sich bei uns immer jemand, der unbedingt noch hier- oder dorthin möchte und die anderen dann eben mitzieht. Das war aber nicht immer so.

    Um aus einem Stamm aber überhaupt erstmal Leute auf solche Aktionen zu bringen, ist es vielleicht die beste Möglichkeit, den Stammesführungen einzubläuen, wie wichtig die Kurse für Gruppenleiter und solche, die es werden wollen, sind.
    Meine persönliche Erfahrung ist, dass Gruppenleiter viel motivierter für Landesaktionen sind, wenn sie wieder Pfadis treffen können, die sie auf den Kursen kennen gelernt haben.
    Das dauert vielleicht eine Weile bis sich dann ganze Stämme beteiligen, aber viel Aufwand ist es ja nicht, bei der Stammesführung Werbung für Kurse zu machen.

    Es mag in unserer modernen Zeit seltsam klingen, aber auch bei allen neuen Medien ist die Mundpropaganda eines der mächtigsten Werbewerkzeuge.
    Wenn ich mich mit einem anderen RR darüber unterhalte, was für tolles Programm auf dem nächsten SchweRRpunkt angeboten wird, dann ist die Chance größer, dass wir ihn beide besuchen und vielleicht noch die restliche Runde mitziehen.

  • Lisato

    ach, und noch eine Kleinigkeit, die man im Text oben verändern sollte. An einer Stelle steht:

    Warum gehen Menschen zu Veranstaltungen? Ich glaube aus drei Gründen:

    Weil sie ein Problem lösen
    Weil sie unglaublich viel Spaß machen (und somit vielleicht tiefgründig auch ein Problem lösen? Interessante Frage…)
    Weil nicht alle von der Veranstaltung erfahren
    [Update] Termine mit höherer Priorität finden parallel statt

    Die ersten beiden begründen, warum man Veranstaltungen besucht, die letzteren warum nicht.
    Das sollte man vielleicht umändern.