Boia Mica Aussicht
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Wandern auf den Spuren der Bären

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Rumäniens Urwälder – Wildnis im Herzen Europas

Bei dem Wort Urwald denken viele Menschen an weit entfernte Dschungel und Regenwälder, in denen sich Affen von Baum zu Baum schwingen, giftgrüne Schlangen um Äste winden und knallbunte Vögel in den Wipfeln sitzen. Doch Urwälder – vom Menschen unberührte Wälder – gibt es auch in Europa. Die meisten davon, etwa zwei Drittel der Europäischen Union, befinden sich in Rumänien. Statt Affen kann man hier mit etwas Glück Braunbären, Wölfe oder Luchse sehen. Auch Schlangen gibt es und blaue Schnecken: den Blauschnegel etwa, eine leicht zu erkennende und in den Karpaten beheimatete Nacktschneckenart. Sogar bunte Vögel gibt es, zum Beispiel die farbenprächtigen Blutspechte oder den Pirol. Wenn man den im Wald singen hört, meint man, man stehe mitten im tropischen Regenwald.

Ein Traum für Pfadfinder*innen und vielleicht das Ziel für die nächste Fahrt?

Die Wälder Rumäniens erstrecken sich über große Teile der Berge und durch die Täler der Karpaten, dem drittgrößten Gebirge Europas. Unter ihnen finden sich noch viele richtige Urwälder– sehr artenreich und damit sogenannte Hotspots der Biodiversität. Gleichzeitig sind sie große CO2-Speicher und tragen somit stark zum Klimaschutz bei.

In einigen Regionen gibt es wunderschöne Wanderwege entlang der Flüsse, vorbei an Blaubeerfeldern und mitten hinein in die Wildnis. Manchmal erkennt man auf dem Boden die frischen Spuren von Bären und anderen großen Tieren des Waldes, die die Wege teilweise ebenfalls nutzen. Mit etwas Glück bekommt man die Tiere sogar zu sehen. Neben der Tierwelt sind die Wälder Rumäniens auch durch andere Arten und ihre Unberührtheit beeindruckend. Bis zu 500 Jahre alte Buchen und noch ältere Eichen kann man hier finden sowie zahlreiche Pilzarten mit ihrem Farben- und Formenreichtum entdecken. Wenn man durch diese Paradieswälder wandert, ist man umgeben von wilder Natur und einer tiefen Stille. Man hört Regenfronten sich nähern, bevor sie einen erreichen und man ordentlich nass wird; bei solchem Wetter kann man oft viele der auffällig gelb-schwarz gefärbten Feuersalamander sehen. Die Bäche spenden frisches Trinkwasser oder eine willkommene Abkühlung an heißen Tagen.  Von einigen Bergspitzen sieht man kilometerweit nichts als Wald, eine Baumkrone reiht sich an die nächste – vom Tal bis zum Kamm.

Doch leider sieht man mittlerweile auch immer mehr Kahlschläge oder kommt an Forstmaschinen und Baumstümpfen vorbei. Die unersetzbaren Wälder sind bedroht, denn an vielen Stellen wird gerodet. Das Holz wird oft ins Ausland, beispielsweise nach Österreich und Deutschland, gebracht. Somit geht nicht nur der Wald verloren, sondern damit schwindet auch der Lebensraum für die einzigartige Vielfalt von Tieren und Pflanzen.

Leider werden auch in Schutzgebieten die Bäume brutal gefällt. So etwa in Nationalparks oder in Natura 2000-Gebieten (ein Netzwerk aus Schutzgebieten innerhalb der EU). Sie stehen eigentlich sogar per EU-Gesetz unter Schutz. Dies ist jedoch zugleich eine große Hoffnung für die Wälder Rumäniens: Dass nämlich die EU endlich einschreitet und Rumänien als Mitgliedsland anhand eines Vertragsverletzungsverfahrens dazu auffordert, die Abholzungen endlich zu stoppen. Denn diese wertvollen Lebensräume und letzten großen Urwälder Europas sollen auch für künftige Generationen erhalten bleiben, sie sind schließlich unser aller Naturerbe. Das sieht auch die UNESCO – eine Organisation der Vereinten Nationen, die sich u.a. für Naturschutz einsetzt – so und hat große Teile der Urwälder Rumäniens, gemeinsam mit einigen kleinen Waldgebieten in Deutschland (z.B. aus dem Hainich- und Müritz-Nationalpark) sowie Wäldern in 10 weiteren europäischen Ländern im Weltnaturerbe Programm „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas“ eingetragen. Die Wälder Rumäniens machen 26% dieses länderübergreifenden Schutzgebietes aus. Leider wird jedoch auch in den UNESCO-Gebieten gerodet.

Aber noch ist es nicht zu spät! Es gibt Projekte, die sich für den Schutz der Wälder einsetzen und Waldbesitzer, die ihre Wälder lieber für nachhaltigen Tourismus nutzen als ihn abzuholzen. Noch gibt es unberührte Täler und große ursprüngliche Wälder, in denen man weit wandern, spannende Tiere entdecken und die stille und klare Luft der jahrtausendealten Wildnis genießen kann. Dies soll auch in Zukunft zu bleiben!

Die Stiftung EuroNatur hat mit der rumänischen Naturschutzorganisation Agent Green eine Kampagne zum Schutz der Wälder Rumäniens gestartet. Ihr könnt die Kampagne unterstützen in dem ihr zum Beispiel die Petition unterschreibt: https://you.wemove.eu/campaigns/rumanien-retten-sie-die-letzten-grossen-urwalder-europas

Weitere Informationen findet ihr zum Beispiel hier: www.euronatur.org/urwald und www.saveparadiseforests.eu

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