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30 Jahre Deutsche Einheit

Wie der Politische Garten auf den Balkon wanderte

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Die Arbeitskreise Flucht&Asyl, Rainbow und Politische Bildung berichten vom [mo:ti]

Eine der wichtigsten R/R Veranstaltungen 2020 wird komplett digital stattfinden? Als [mo:ti]? Im INTERNET??? Aber all unsere schönen Pläne für einen AK übergreifend organisierten politischen Garten, mit gemütlicher Sitzecke, Workshops, Bücherregalen, Diskussionsrunden…was sollen wir damit bloß machen?

Ungefähr das dachten wir von den Arbeitskreisen (AKs) Flucht & Asyl, Politische Bildung und Rainbow uns, als feststand, dass das MOOT 2020 aufgrund von Corona in das so gar nicht pfadfinderische Internet verlegt werden würde. Aber da konnte man wohl nichts machen, leuchtete ja auch allen ein, dass es die richtige Entscheidung war. Bloß: was machten wir jetzt mit den ganzen Ideen, den bereits angefragten Referent*innen, den geschmiedeten Plänen? Es half wohl alles nichts, eine digitale Alternative musste her, und bekanntermaßen macht die Not ja erfinderisch. Es wurde also gechattet, gemailt und telefoniert, bis Köpfe und Kabel rauchten – und das Ergebnis konnte sich sehen lassen!

Während des gesamten [mo:ti] am Christi Himmelfahrts-Wochenende bespielte der AK Rainbow aus zwei Studios Tag und Nacht einen Kanal auf der Live-Streaming Plattform twitch. Neben queerer Musik gab es bei Radio Rainbow ein Gespräch mit einem queeren Geflüchteten, eine Diskussionsrunde unter Trans*menschen über den Film „Mein Sohn Helen“, zahlreiche kleinere Formate wie „Ask-a-Queer“, Vorlesestunden und noch vieles mehr. Das Highlight war sicherlich die Open Stage, zu der viele verschiedene Menschen aus dem Bund Beiträge eingeschickt hatten oder sogar live auftraten. Wie bei der Lagereröffnung oder der Abschlussrunde konnte man dabei fast vergessen, dass man vor dem heimischen Bildschirm und nicht gemeinsam vor der Bühne saß.

Unsere Referent*innen, ob aus den eigenen Reihen oder extern angefragt, stellten in Windeseile Online-Versionen der geplanten Workshops auf die Beine. So konnten einige der angedachten Workshops zu aktuellen politischen Themen trotz des neuen Formats (fast) wie geplant stattfinden. Bei einem „Argumentationstraining gegen Rechts“ lernten die Teilnehmenden, Muster in rechten Parolen zu erkennen und zu kontern. Christian Weißgerber erzählte den Teilnehmenden in einem Vortrag von seinen Erfahrungen als Aussteiger aus der Neonazi-Szene und sprach über Radikalisierungsprozesse und ihre Auswirkungen. In dem Webinar „Klimagerechtigkeit – Was ist das?“ konnten sich die Teilnehmenden gemeinsam mit dem Kipppunkt-Kollektiv mit der Diskrepanz davon auseinandersetzen, wer die Klimakrise hauptsächlich verursacht – und wer am stärksten davon betroffen ist. Passend zu dem digitalen Format des [mo:ti] gab es außerdem ein Webinar von der Gruppe Hassmelden zu dem Thema „Gegenrede – Was wir gegen den Hass im Netz tun können“. Dabei ging es um sogenannte Hate Speech im Internet mit aktuellen Hintergründen zum Thema sowie Handlungsoptionen.

Wer näher an explizit pfadfinderischen Themen bleiben wollte, konnte sich in einem Workshop zu Partizipation in der Sippe damit auseinandersetzen, wie wir als Sippenführungen mehr Macht in unsere Gruppe abgeben können und gemeinsam auf Augenhöhe entscheiden und gestalten. In einem weiteren Workshop, den wir zusammen mit dem Archiv der deutschen Jugendbewegung vorbereitet hatten, wurden Zusammenhängen zwischen Pfadfinden, Jugendbewegung und Kolonialismus aufgezeigt. Die anschließende Diskussion sollte ein Aufschlag sein zu überlegen, wie wir die Geschichte unserer Bewegung und vor allem ihrer Persönlichkeiten in Zukunft erzählen wollen und welche Verantwortung sich daraus für uns heute auch ganz praktisch ergibt.

Auch wenn wir an diesen Tagen alle Zuhause vor unseren Bildschirmen saßen, nahmen wohl die meisten von uns doch das zufriedene Gefühl mit, einen ganzen Haufen uns wichtiger Themen mit anderen im Bund geteilt zu haben. So viel lieber hätten wir das natürlich auf der Wiese sitzend getan, die Kleidung und Haare voll Lagerfeuerduft, angelehnt an gute Freunde, die die letzte Isomattennacht aus dem steifen Rücken kneten … Aber in solchen Zeiten muss man neue Wege gehen und allen Mut, alle Motivation und alle Kreativität zusammennehmen. Das haben viele engagierte Pfadfinder*innen in kurzer Zeit geschafft!

Wir möchten an dieser Stelle auch noch einmal der Stiftung Pfadfinden danken, ohne deren Unterstützung all diese Vorträge, Workshops und Online-Seminare nicht realisierbar gewesen wären. Die Lagerleitung, bestehend aus Elena und Jonathan, sowie der Rest des [mo:ti] Teams hat außerdem wahre Wunder bei der Organisation vollbracht. Danke auch dafür!

So eine digitale Veranstaltung kann natürlich niemals ein „richtiges“ Lager ersetzen, aber trotz allem war es für uns alle eine spannende Erfahrung, und tausendmal besser als gar kein MOOT! Und vielleicht lässt sich sogar das eine oder andere Format in Zukunft wiederholen.

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