endlich-angekommen-auf-2452m
R/Rs

Wenn nicht jetzt? Wann – dern?

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Johnny
Stamm Graue Bären, Orschel
LV Hessen

Ich bin jetzt 24. Auf dem Bundeslager im nächsten Jahr endet sozusagen meine Pfadikarriere als Teil der im BdP definierten Zielgruppe. Aber nicht nur ich habe mir inzwischen andere Aufgaben auf Landes- oder Bundesebene gesucht. Ich denke, dass es vielen von euch so geht. Die Zeit als Gruppenführung endet. Die jüngere Generation übernimmt die Aufgaben im Stamm. Aber man selbst kann und will noch nicht so ganz loslassen und möchte weiter Teil der Gemeinschaft sein, die man seit Wölflingstagen kennen gelernt hat. Klar, die Bedingungen und Rollen haben sich verändert, aber die Erlebnisse, die wir geminsam erlebt haben, bleiben in unserem Herzen. Die Erinnerungen an das erste Lager als Wölfling und an die erste Großfahrt bleiben unvergessen.

So verändert sich das Rundenleben

Meine erste Großfahrt war 2006. Meine Sippe, wir hießen Basilisk, war das erste Mal auf Großfahrt und wir wanderten unter der heißen Sonne Südfrankreichs durch die Provence. Wir wanderten unter akutem Wassermangel, weil die nächste Stadt zu weit weg war und die Häuser auf unserer Route nicht an die französische Wasserversorgung angeschlossen waren. Und wir fuhren mit dem Kanu auf der Ardèche um unser Fahrtenziel rechtzeitig zu erreichen. Auf diese Fahrt folgten viele weitere im Sommer, im Winter, in den Ferien und an Wochenenden. Doch unsere Gemeinschaft veränderte sich, wir wurden erwachsen, einige hörten auf, andere kamen hinzu und wir wurden 2008 zur Runde. Als wir die Aufgaben in unserem Stamm übernahmen, war es eine Herausforderung unsere Rundenstunden, die wir insgesamt bis 2012/2013 aufrecht hielten, für uns und nicht für die Stammesarbeit zu nutzen. Das hat bei weitem nicht immer funktioniert. Nach der Schule sind die meisten erst mal darauf fokussiert den nächsten Schritt im eigenen Leben zu gehen.

So standen wir vor der großen Herausforderung, wie wir weiterhin die Zeit finden konnten, um gemeinsam auf Fahrt gehen zu können. Nach einer längeren Pause (mehrere Jahre ohne Fahrt) versuchten wir wieder regelmäßig etwas zu unternehmen und auf Fahrt zu gehen. Kleine Wochenendtouren im nahe gelegenen Taunus und im Schwarzwald folgten.

Wer hat Bock auf Höhenmeter? – Clan Mammut!

Dieses Jahr wagten wir, zehn Jahre nach unserer ersten Großfahrt als Sippe, dann den nächsten Schritt: Mal wieder auf Sommerfahrt. Wie bei vielen von euch bestimmt auch funken aber immer wieder andere Verpflichtungen, gerade auch aus dem pfadfinderischen Leben dazwischen. Einige aus meiner Runde sind regelmäßig in der Organisation von Bundes- und Landesaktionen eingebunden, dieses Jahr fand die Bundesfahrt in Polen statt. Außerdem hat sich die Personenkonstellation inzwischen etwas verändert. Seit diesem Jahr haben wir uns mit der etwas jüngeren Runde in unserem Stamm zu einem Clan zusammengeschlossen: Clan Mammut. Genügend Leute zu finden, die Lust haben auf Fahrt zugehen, ist nun wesentlich einfacher.

Nachdem Bundesfahrtslager trafen wir uns in Piwniczna-Zdroj am Lagerplatz. Zu sechst brachen wir auf um die Beskiden zu erkunden. Natürlich hatten wir uns bereits einen Wimpel genäht! Die Beskiden sind kein Hochgebirge, bieten aber einige steile Anstiege, die zu Wanderwegen auf dem Bergkamm werden. Bereits am ersten Tag mussten wir unter Wasserknappheit laufen.

Déjà vu! Die Quellen entspringen nun mal nicht auf den Gipfeln. Angesichts der knappen Wasservorräte entschieden wir uns bei heißem Wetter den höchsten Berg der Gipfelkette nicht zu besteigen, sondern direkt zu einem eingezeichneten Gasthaus zu gehen, um unsere Flaschen zu füllen. Unser Pausentag, der auf den ersten Abstieg folgte, war der schlechteste der ganzen Fahrt, denn es regnete durchgehend. Im Fluss zu baden, an dem unser Zelt stand, hatte sich erledigt.

Am nächsten Tag fuhren wir mit unserem Gepäck auf einem traditionellen Holzfloss auf dem Dunajec in die nächste Stadt. Der Flossführer versuchte uns auf Polnisch das Grenzgebiet von Polen und Slowakei näherzubringen, leider verstanden wir gar nichts, was uns aber nicht weiter störte, es gab auch so genug zu sehen.

Der Berg ruft!

Nach der ersten Woche in den Beskiden wechselten wir unser Fahrtengebiet, sicher ein Vorteil, den man als R/R hat, um nach einer neuen Herausforderung zu suchen. Wir fuhren über die Grenze in die Hohe Tatra in der Slowakei. Dort standen weitere Anstrengungen vor uns, denn die Steilhänge waren noch steiler als in den Beskiden. Die Hohe Tatra ist ein relativ kleines Gebirge, was mitten in einer Ebene auf über 2000 Meter in die Höhe schießt. Ein Höhepunkt unseres zweiten Fahrtenblocks war die Besteigung des Slavkovský štít auf 2452 Meter. Früh morgens begannen wir den Aufstieg von ganz unten. Die meisten anderen Wanderer fuhren mit einer Gondel zu einer höheren Bergstation, darauf verzichteten wir aber. Der Weg zum Gipfel führte uns über Steinmeere und Geröllwüsten. Auf dem Gipfel standen wir in den Wolken, die sich um den Gipfel schlangen und erhaschten ab und zu einige Sonnenstrahlen.

Ich weiß, was du nächsten Sommer tun wirst…

Einige Woche später blicke ich jetzt auf unsere Fahrt zurück und kann sagen, dass es eine gute Entscheidung war auf Fahrt gewesen zu sein. Es sind zwar oft ähnliche Erlebnisse und Situationen, die wir erleben, aber es ist der Kontrast zum Alltag, für den es sich lohnt auf Fahrt zu gehen. Ein all-inclusive Urlaub bietet auch Entspannung, kann für mich aber nur bedingt mithalten. Wenn man gemeinsam die Herausforderungen eines Tages gemeistert hat und abends erschöpft zusammensitzt, ist das ein schönes Gefühl.

Nicht jede Runde hält den Kontakt im Rahmen der Pfadfinder, das ist mir klar, aber es gibt genug Leute in euren Stämmen, Landesverbänden und im Bund, mit denen ihr die Möglichkeit ergreifen solltet, außerhalb eurer beruflichen und pfadfinderischen Tätigkeiten wieder mal etwas zu erleben. Probiert es aus; ich für meinen Teil bereue die Muskelschmerzen im ganzen Körper auf jeden Fall nicht!

Den Stoßzahn des Tages, den wir uns in unserem Clan jeden Tag auf Fahrt in der Chronik verleihen, möchte ich am Ende dieses Artikels an alle Runden und Fahrtengruppen verleihen, die jetzt die Möglichkeit nutzen und bis zum nächsten Sommer, unabhängig vom Bundeslager, auf Fahrt gehen.

Einen musikalischen Eindruck unserer Fahrt findet ihr hier: soundcloud.com/gbmv/wenn-sturme-toben-grenzganger.

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