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International

Unlock Leadership for Change

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7.03 Uhr morgens – München Hauptbahnhof: „EC 196 Richtung Zürich Hauptbahnhof bitte zusteigen.“ Beim Einsteigen schwirren mir Fragen durch den Kopf: Was wird mich wohl erwarten? Wen werde ich wohl treffen? Reichen meine Englischkenntnisse für eine Woche Kurs? Was werde ich mitnehmen?

Ich bin auf dem Weg nach Adelboden in der Schweiz. Denn genauso wie unser Bund in Immenhausen bei Kassel ein Zentrum besitzt, so ist das Weltpfadfinderinnen-Zentrum in Adelboden bei Bern in der Schweiz. Genau wie bei unserem Bundeszentrum handelt es sich um einen Ort der Begegnung, ein Herzstück der Pfadfinderei. (Happy Birthday an dieser Stelle) Das Zentrum heißt „Our Chalet“ und soll als eine Art permanentes „Mini-Jamboree“ mit Freiwilligen aus der ganzen Welt eine Anlaufstelle für Pfadfinder*innen aus aller Welt bieten. (Das Pendant von WOSM heißt „Kandersteg“ und ist ein Tal weiter). Im „Our Chalet“ sollte ich für die nächsten fünf Tage an einem internationalem Training zu den Sustainable Development Goals teilnehmen.

Die Ausschreibung liest sich ungefähr wie folgt: Motiviertes (Check) Mitglied aus dem BdP (Check) mit Interesse an den Themen Nachhaltigkeit und SDG bei den Pfadfinder*innen (beides Check) für Teilnahme an Workshop gesucht. Kurzerhand Kalender überprüft, per mail beworben und fertig. Zur Vorbereitung gab es noch eine Telefonkonferenz mit der neu gegründeten Ringe-Arbeitsgruppe SDG, aber so wirklich einen Plan, was da auf uns (der rdp schickte drei Teilnehmende) so zukommt hatte niemand. Es galt also, das selber herauszufinden.

Durch malerische Berglandschaften geht es mit Zug und Bus und Auto in Richtung Adelboden. Schon am ersten Abend stellen wir fest: Ja, es ist wirklich die ganze Welt vertreten. Neben den drei deutschen Teilnehmenden treffen wir auf Pfadfinder*innen aus Frankreich, Irland, Schweden, Tschechien, Polen, Sri Lanka, Malaysia, Chile, Nigeria, Hongkong, Singapur und Madagaskar.

Nachdem über Nacht noch alle verbliebenen Teilnehmenden eingetrudelt sind, geht es am nächsten Morgen los mit der Fahnenzeremonie und wir erfahren auch, worum es gehen soll an diesem Wochenende: 2015 haben die Vereinten Nationen die „Sustainable Development Goals“ – bestehend aus 17 verschiedenen Zielen – beschlossen. Nur wie schaffen wir es, diese allen Menschen auf der Welt zu vermitteln?

Eine kleine, internationale Gruppe mit um eine schwedische Pfadfinderin hatte die Idee: Eine interaktive Lernplattform, geeignet für jedes Smartphone, mit einfacher Sprache, umfangreichem Material, getragen durch eine internationale Gemeinschaft. In Gruppen sollen Jugendlichen die 17 Ziele erforschen, kennenlernen und diskutieren. Sie sollen, davon angeregt, über ihren Konsum und ihre Umwelt nachdenken und befähigt werden, im Rahmen der eigenen Möglichkeiten Projekte durchzuführen. Die Idee war geboren und in WAGGGS der perfekte Partner gefunden. Der Name: (wagggs.)thegoals.org. (Es gibt eine eigene Version für Pfadfinder*innengruppen.)

Das Seminar will also Pfadfinder*innen aus der ganzen Welt als Coaches ausbilden, ihnen die SDG detailliert näher bringen und sie dazu befähigen, die Idee in ihr Land, ihren Verband zu tragen und dort zu verbreiten. Die Einheiten tragen kreative Namen wie: We have a plan (die SDG), thegoals.org (Anschauen und Ausprobieren der Plattform in Gruppen) oder „be the change“. Ein großer Fokus liegt dabei auf internationalem Austausch: In ständig wechselnden Gruppen lernen wir mehr über die Kampagnen der malaysischen Pfadfinderinnen gegen Kinderhochzeiten und können uns mit den französischen Pfadfinderinnen über Strukturen und die Implementierung nationaler Programme austauschen.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse: Wirklich alles hängt zusammen. Es ist schier unmöglich die 17 Ziele voneinander zu trennen, jedes einzelne hat (in)direkte Auswirkungen auf die anderen.

Weiter geht es ganz nach dem Motto: Be the change! Eine*r muss Anfangen, aber jede*r, der*die mitmacht, ist genauso wichtig. Nicht ein Land, eine Person wird es schaffen die 17 Ziele umzusetzen. Vielmehr muss die ganze Welt gemeinsam an der Umsetzung arbeiten, zusammen können wir alles schaffen. Am letzten Tag bekommen wir dann Zeit, uns eigene Projekte für unsere Mitgliederorganisationen zu überlegen.

Mit einem großen Koffer voller Ideen und einem ambitionierten Projekt im Kopf geht es dann schweren Herzens wieder nach Hause. Hinter uns liegen vier sehr intensive und lange Tage, wir haben neue Freund*innen aus der ganzen Welt gefunden und gemerkt, dass uns alle doch viel viel mehr miteinander verbindet als uns voneinander trennt. Es fällt mir schwer mich zu verabschieden, gleichzeitig freue ich mich aber auf das Projekt und den langen Weg, der vor uns liegt. Bis wir schlussendlich sagen können: The change is here!

Leon Matella, Stamm Robin Hood, Ottobrunn, LV Bayern

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