HubertusundSakaryaBula2017
In Vielfalt geeint

HubertuSakarya

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Was vor 30 Jahren als zufällige Begegnung bei einem Schüleraustausch begann, entwickelte sich mit der Zeit zu einer internationalen Freundschaft zweier Stämme, die für uns heute nicht mehr wegzudenken ist.

Die Sakarya İzci Grubu (auf deutsch Sakarya-Pfadfindergruppe) gibt es seit 1912. Sie gehört zum İstanbul Lisesi (Istanbuler Gymnasium) im Bezirk Cağaloğlu auf der europäischen Seite der Stadt. Dort unterrichten sowohl türkische als auch deutsche Lehrer. Die Schule ist offiziell als „Deutsche Auslandsschule“ anerkannt. Da die Schülerinnen und Schüler dort auch Deutschunterricht bekommen, gibt es zwischen uns so gut wie keine Sprachbarriere, was den Austausch (gerade für Jüngere) natürlich sehr vereinfacht.

Regelmäßig besuchen sich unsere Gruppen in Siegen und Istanbul und veranstalten gemeinsame Fahrten oder Lager. 2014, zu unserem 25-Jährigen Jubiläum, waren wir beispielsweise mit allen zusammen auf der NRW-Landesfahrt in Estland und Lettland. Dazu kommen die Bundeslager, die wir immer gemeinsam verbringen. Ein besonderes Highlight dabei ist immer der türkische Abend, für den die Sakaryas typisch türkisches Essen (nein, keine Döner!) vorbereiten und dazu Tänze und Musik aufführen. Auch der Singewettstreit gehört zum festen Programm. 2017 gab es neben dem Song Hasret der türkischen Band Direc-T (seitdem ein Hit in unserem Stamm) auch 99 Luftballons von Nena zu hören. Für den ersten Platz reichte es nicht, aber ich behaupte, die Sakaryas waren die Sieger der Herzen.

Auf gemeinsamen Aktionen ist es uns immer besonders wichtig, die Gruppen zu mischen, um Grüppchenbildung zu vermeiden und ein Kennenlernen zu ermöglichen. Deswegen gab es in Lettland und auf dem Bundeslager von Beginn an gemischte Sippen. Die anfängliche Phase der Zurückhaltung löste sich auf diese Art immer recht schnell auf. Auf der Landesfahrt 2014 hatte die Fahrtenleitung laut eigener Aussage gelegentlich Schwierigkeiten, unsere Stämme überhaupt auseinanderzuhalten. Das könnte aber auch mit den Schwarz-Blau-Gelben Freundschaftshalstüchern, die wir aus Anlass unseres Jubiläums trugen, oder unserem gemeinsamen Schlachtruf zu tun gehabt haben.

Türkischer Abend im Cafe Muggefugg

Auslöser lustiger Situationen waren häufig die unterschiedlichen kulinarischen Vorstellungen auf Bundeslagern. Die Sakaryas essen z.B. gerne drei Mal täglich warm. Mindestens, vermutlich. Die rustikale deutsche Version von Frühstück und Abendbrot kam da nicht wirklich gut an. Auch der in unserem Stamm sehr verbreitete Vegetarismus und der damit einhergehende Mangel an Fleisch war gelegentlich Auslöser für leichten Spott. Doch meistens konnte man sich gütlich einigen. Auch wenn diese Einigung meistens auf deutlich mehr Arbeit für die Lagerküche hinauslief.

Aber all das war praktisch nie ein Anlass für ernsthafte Auseinandersetzungen. Wir freuen uns über unsere Gemeinsamkeiten und lachen über unsere Unterschiede. Und ehrlich gesagt kann es sehr gut tun, mit anderen Sichtweisen konfrontiert zu werden und sich zu fragen, warum man Dinge so macht, wie man sie macht. Internationale Begegnungen funktionieren besser mit Humor.

Doch es gab auch unschöne Momente. Mein persönlicher Tiefpunkt war das Jahr 2016, als wir eine Türkeireise geplant hatten und diese leider aufgrund von Anschlägen in Istanbul und damit einhergehenden und nachvollziehbaren Bedenken von Eltern absagen mussten. Auf der „Ersatzfahrt“ in Holland hörten wir schließlich vom gerade stattfindenden Putschversuch. Wir versuchten natürlich, unsere Leute zu erreichen und bekamen von einigen zum Glück schnell die Rückmeldung, dass alles soweit in Ordnung sei. Der Abend war natürlich trotzdem gelaufen.

Besonders schön dagegen finde ich es zu beobachten, dass der Kontakt sich inzwischen nicht mehr nur auf das Pfadfinden beschränkt. Wir hatten seit dem letzten Bundeslager schon zwei private Besuche in unserer WG. Einige unserer R/Rs verbrachten sogar Silvester 2017/18 in Istanbul. Und auch ansonsten stehen wir in regelmäßigem Austausch, dem Internet sei Dank.

Dieses Jahr ist das 30-jährige Jubiläum von HubertuSakarya an der Reihe. Und diesmal geht es endlich wieder nach Istanbul. Geplant sind ein Gastfamilienaufenthalt (sehr zu empfehlen, die türkische Gastfreundschaft ist einfach unschlagbar!), evtl. ein gemeinsames Lager und natürlich eine große Jubiläumsfeier. Bisher haben sich die Sakaryas mit ihren Gastgeschenken regelmäßig selbst übertroffen, aber diesmal werden wir uns revanchieren, so viel sei verraten. Bis bald! Görüşmek üzere!

Ich kann nur sagen, ich bin unendlich dankbar für all die schönen Erlebnisse bisher. Ich freue mich auf dieses Jahr und hoffe, dass diese Freundschaft noch mindestens weitere 30 Jahre besteht. Aber warum sollte sie auch nicht?

Paul Nauditt (Remus)

Stamm Hubertus, Siegen

LV NRW

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